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Mit der Gesellschaft ändern sich auch die Wohnformen

Lebenshilfe München wird mit angepassten Wohnkonzepten
den Bedarfen gerecht

(gsp) Einer der größten Veränderungen innerhalb der Lebenshilfe München wirkt sich im Bereich Wohnen aus, seit 2013 ein Herzensanliegen von Vorstand und Geschäftsführer Peter Puhlmann. Seit 2017 ist René Pfeifer für diesen Bereich verantwortlich und wurde 2021 ebenfalls zum Vorstand berufen. Gemeinsam haben Sie viel voran gebracht, die Angebote den Bedarfen angepasst und ebenso die politischen Forderungen erfüllt, wie aktuell im Bundesteilhabegesetz (BTHB) verankert. Das Wohnen wird immer mehr als zentraler Teil des Lebens verstanden. Die Angebote der Lebenshilfe München sind heute darum besonders vielfältig. Peter Puhlmann erklärt die einzelnen Bereiche:

Stationäres Wohnen neu: „Besondere Wohnformen“

Seit 10 Jahren prägt Peter Puhlmann  die Entwicklung der Lebenshilfe München.

Vor zehn Jahren gab es bei der Lebenshilfe München elf Wohneinrichtung des vollstationären Wohnens ohne Tagesstruktur. Die modernste und spezialisierteste WG war damals Putzbrunn 2. Alle Einrichtungen setzten damals bereits den Grundgedanken der Inklusion um. Eltern und Fachkräfte achteten bereits in den 70er- und 80er-Jahren darauf, dass die Häuser und Wohnungen in dem jeweiligen Stadtteil integriert waren und gestalteten besondere Wohnformen. Die 2022 verstorbene Ehrenvorsitzende, Gerlinde Engelmann, hatte daran einen großen Anteil und wurde für ihr Engagement mehrfach ausgezeichnet. Geschäfte, Ärzte und die Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel musste gegeben sein und die Bewohner waren und sind nahezu alle in den Lebenshilfe-Werkstätten berufstätig.

Bereits 2014 feierte die Lebenshilfe in der Hofbauernstraße das 35-jährige Bestehen der Wohneinrichtung.
https://lebenshilfeblog.de/2014/07/23/35-jahre-betreutes-wohnen-bei-der-lebenshilfe-muenchen/

Wohntraining: „Stationär“ und teilweise Selbständig

Mehr Selbständigkeit verlangt eine erweiterte Form des Betreuten Wohnens von Menschen mit geistiger Behinderung. Sie leben alleine bzw. Selbständig in einem Appartement, als zentrale Anlaufstelle aber steht im Gebäude eine Gemeinschaftswohnung zur Verfügung. Sie bietet eine große Küche, einen Wäscheraum (Waschmaschine) und einen großen Gemeinschaftsraum. Zu festen Zeiten ist ein Betreuer/in vor Ort und beim Kochen und Wäschewaschen wird geholfen. Diese Wohnform – „Stationär“ und teilweise Selbständig – ist die letzten Jahre weiter entwickelt worden und mit einem gezielten Training, etwa über das eigene Budget und den Wocheneinkauf, wird auf ein möglichst selbständiges Leben vorbereitet.

Das stationär-selbständige Wohnen wird von der Lebenshilfe ständig weiter entwickelt,
was in der Berliner Straße früh seinen Anfang nahm:

https://lebenshilfeblog.de/2016/03/08/menschen-mit-behinderung-auf-das-leben-vorbereiten/

Klassische Wohngemeinschaft (WG):

Neuland beschritt die Lebenshilfe München im Jahr 2016 mit der Gründung einer ersten klassischen Wohngemeinschaft (WG) in der die Klienten selbständig leben. Auch hier gibt es eine große Gemeinschaftsküche und einen Gemeinschaftsraum und jeder Bewohner hat sein eigenes, abgeschlossenes Zimmer mit Nasszelle und Balkon oder kleiner Terrasse. Der „Draht hin zur Lebenshilfe“ wird über das ‚Ambulant Betreute Wohnen‘ (ABW) gehalten, so dass wenn nötig, kurzfristig eine ausgebildete Fachkraft vor Ort ist.

Ab 2016 setzt die Lebenshilfe München eine neue Form des Wohnens um, das möglichst selbständige Wohnen in einer klassischen Wohngemeinschaft:
https://lebenshilfeblog.de/2017/02/02/ein-selbstbestimmtes-leben-fuehren/

Integrative Wohngemeinschaft (iWG):

Neuland war ebenso die Gründung einer Integrativen Wohngemeinschaft. Hier leben Studenten mit Menschen mit Beeinträchtigung zusammen und ‚im Hintergrund‘ ist der ABW jederzeit zu erreichen. Im Alltag aber regeln die Studenten und ihre Mitbewohner ihr Leben selbst. Diese Form des Zusammenlebens hat sich bestens bewährt und zwei Jahre nach Eröffnung der iWG in der Hermann-von-Sicherer-Straße etablierte die Lebenshilfe München in der Packenreiterstraße eine zweite Integrative Wohngemeinschaft. Dafür wurde das Haus mit der vormals stationären Einrichtung aufwändig umgebaut und saniert. „Es ist die derzeit beste Wohnform der Lebenshilfe-Einrichtungen. Es profitieren die Studenten ebenso wie die Bewohner und wir als Organisation und verantwortlicher Betreiber.“

Studenten und Menschen mit geistiger Behinderung ergänzen sich gut.
https://lebenshilfeblog.de/2018/09/19/lebenshilfe-gruendet-eine-ambulant-betreute-inklusive-wohngemeinschaft/

Wohnen im Sozialraum

Die jüngste von der Lebenshilfe München umgesetzte Wohnform ist das ‚Wohnen im Sozialraum‘. Es ist zwischen der ambulant betreuten WG und dem ambulant betreuten Einzelwohnen angesiedelt. Der oder die Betroffene leben für sich selbständig in einer Einzelwohnung. Es gibt noch die ‚Hotline‘ zum Ambulant Betreuten Wohnen, also hin zur Lebenshilfe, doch setzt man voraus, dass sich der Bewohner in ihrem Umfeld, im Sozialraum, zurecht finden. Sie pflegen selbständig Kontakte zu anderen Mietern, zum ‚Bäcker um die Ecke‘ und anderen Einrichtungen. Häufig geht diesem freien selbständigen Wohnen ein Training voraus, wie wir es etwa in der Berliner Straße seit Jahren umsetzen.

Auch die Stadt München setzt bei neuen Vorhaben verstärkt auf Inklusion und Teilhabe. Ein neues Wohnprojekt entstand in Neuwied.
https://lebenshilfeblog.de/2021/12/22/neue-wohnungen-der-lebenshilfe-munchen/

Lebenshilfe-Vorstand Peter Puhlmann
zu den aktuellen Herausforderungen des Wohnens

„Es ist uns zwar in den letzten zehn Jahren gelungen, eine Diversität der Bestandswohnformen zu erreichen, aber jeder unserer Wohnstandorte ist somit spezialisiert und nur bis zu einen bestimmten Grade fähig, sich auf individuelle Veränderungen von Bedürfnissen und Hilfegraden anzupassen. Wie sollen auch Gebäude aus den 1930’er oder 1960’er Jahren barrierefrei – gar Rollstuhlgereicht sein? Zum damaligen Zeitpunkt war dies noch keine bekannte Erforderlichkeit oder gar gesetzliche Vorgabe.

So gesehen bietet die Lebenshilfe München ein diverses Wohnen in ganz München an: vom betreuten Einzelwohnen, über Wohnen bei Familien, ambulant betreuten Wohngemeinschaften, inklusiven Wohngemeinschaften zusammen mit Studenten*innen, Trainingswohnstätten zum realen Üben, bis hin zu gemeinschaftlichem Wohnen mit gepoolten Betreuungs- / Hilfeleistungen in den unterschiedlichsten Ausprägungen. Die Spannweite reicht von erwachsen Menschen mit geistiger Behinderung mit geringer Fähigkeit zur Selbständigkeit hin zu Menschen mit Schwerstmehrfachbehinderungen [ehemals (voll-)stationäres Wohnen].

Nach wie vor fehlen geeignete Wohnplätze für Menschen mit geistiger Behinderung und hohem Pflegeaufwand wegen geriatrischen Diagnosen – dem hohen Lebensalter geschuldeten Einbußen sowie für altersunabhängige verhaltensbedingte Intensivbetreuungsplätze. Dies ist, neben dem Umgang mit dem allgemeinem Fachkräftemangel, die Herausforderung in der Metropolregion München alters- sowie behindertengerechten Wohnraum vorzuhalten.“

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