Buntes Herbst- und Winterprogramm der OBA

Voller Engagement hat die OBA der Lebenshilfe München ein Freizeitprogramm bis zum Jahresende mit über 40 Terminen zusammengestellt. Anmelden kann man sich online (Link) noch bis 11. Oktober. Es sind begleitete Ausflüge, der Besuch von Museen und Konzerten oder einfach gemeinsame Abende im Programm zu finden. Viele Termine sind mit einem geringen Unkostenbeitrag von fünf Euro verbunden. Wenn es etwas teurer wird, sind damit meist Eintritte, Zug- oder Busfahrten inbegriffen. Beim Besuch von St. Wolfgang (Salzkammergut) sogar noch eine Bootsfahrt.

Engagiert für Menschen mit Behinderung: das OBA-Team der Lebenshilfe München.

Nicht allein sein, gemeinsam was unternehmen ist das besondere Anliegen der OBA der Lebenshilfe München. Dafür werden ganzjährig Freizeit-Clubs, Aktivitäten, Ausflüge und Urlaubsreisen angeboten. Mit dem neuen Programmheft für den Herbst und Winter bietet das OBA-Team wieder viele besondere Erlebnisse für die dunkle Jahreszeit.

Auf dem Terminplan für den Herbst und Winter stehen Veranstaltungen wie der Besuch einer Disco, Konzerte und ein Musical, wie auch Ausflüge nach Murnau, in das Salzkammergut oder nach Bad Endorf. In die Natur geht es bei einem Spaziergang in den Hirschgarten, zu einem Wildtierpark oder zum Isar-Stausee. Sportlich wird es beim Besuch von Basket-Ball-Matches des FC Bayern oder an einem Bowling-Abend, besinnlich bei Ausflügen über Adventsmärkte oder dem Besuch von Gottesdiensten. Auch in den Räumen der OBA selbst wird gebastelt, gelesen und andere kreative Freizeitaktivitäten geboten. Das gesamte Programm finden Sie auf der Homepage der Lebenshilfe München.

Hier der Link:
https://www.lebenshilfe-muenchen.de/reisen-und-freizeit/freizeit-aktiv-gestalten-mit-der-oba/besondere-termine-und-veranstaltungen/

Viele Gesichter und Herausforderungen der Frühförderung

Lesen Sie unseren ersten Bericht über die Frühförderung München-Riem vom 14. September.
Hier der Link: https://lebenshilfeblog.de/2022/09/14/fruehfoerderung-und-sprache-als-schluessel/

Insgesamt werden in Feldkirchen und München-Riem von der Frühförderung der Lebenshilfe München 210 Kinder und ihre Familien betreut. Die neue Stelle in Riem bedeutet zwar eine Entlastung für Feldkirchen, doch Einrichtungsleiterin Janine Schöppen wünscht sich eine Erweiterung der Kapazitäten, denn die Nachfrage ist groß und die Warteliste wächst seit Jahren.

„Es gibt nicht mehr Studienabgänger*innen“

„Das Problem ist, wie in vielen anderen Bereichen auch, das Fehlen von Fachkräften“, bedauert die Psychologin. Seit Monaten sucht die Lebenshilfe München vergebens Logopädinnen, um ein weiteres Team aufzubauen. „Eigentlich gibt es nicht weniger Fachkräfte, doch seit 2015 verzeichnen wir einen starken Zuzug von jungen kinderreichen Familien. Der Arbeitsmarkt und auch die Studienplätze sind dafür aber nicht erweitert worden“, erkennt Janine Schöppen die Ursachen des Mangels, der vor allem in München-Riem deutlich werde und ist dabei ein wenig ratlos. „Die hier stattfindenden Veränderungen sind auf der politischen Ebene offenbar noch nicht angekommen“, bedauert sie.

„Noch einschneidender ist etwa der Mangel an Kinderärzt*innen. Hier im Stadtteil gibt es überhaupt keine, und jene in München und Umgebung sind völlig ausgelastet, nehmen keine neuen Kinder an. Eine Katastrophe für die hier lebenden Familien.“ Die Einrichtungsleiterin macht ihrem Herzen mit dieser Aussage Luft, denn sie und ihr Team werden fast täglich mit diesem Problem konfrontiert.

Gute Planung und hilfreiche Technik

Ohne gute Planung und Buchhaltung geht es auch in der Frühförderung der Lebenshilfe München in Riem nicht. (Fotos: Gerd Spranger)

Einem Team von 13 Mitarbeiterinnen bzw. Therapeutinnen, die je bis zu 25 Familien begleiten, je nach Arbeitszeit. Die Planung der Termine ist eine große Herausforderung, es muss sich mit den Eltern, den Kindergärten abgestimmt werden und die Fahrten müssen ökonomisch geplant werden. „Wenn dann kurzfristige Absagen kommen, muss die schöne Planung auf’s Neue angepasst werden“, erzählt Janine Schöppen aus dem Berufsalltag. Dabei stehen Firmenfahrzeuge, Handys und Computer mit entsprechender Software für die Erfassung, Auswertung und Abrechnung zur Verfügung. Doch das Handling liegt ganz bei den Heilpädagoginnen, Psychologinnen und medizinischen Therapeutinnen (Logopädinnen, Ergotherapeutinnen und Physiotherapeutinnen). Es braucht neben der Ausbildung und dem Fachwissen also zusätzlich ein gutes Maß an Organisationstalent, um dieser Aufgabe gewachsen zu sein.

Zeitfenster und Chancen erkennen

Die richtige Therapie, viel Platz und Ruhe schaffen gute Bedingungen für das Kind.

In der Frühförderung spielen sogenannte ‚Zeitfenster‘ eine wichtige Rolle. Denn nur in einem ganz bestimmten Alter ist für bestimmte Wochen/Monate ein nächster Entwicklungsschritt möglich, auch wenn dies von Kind zu Kind verschieden ist. Es ist eben die besondere Aufgabe und Fähigkeit von ausgebildeten Therapeutinnen, dies zu erkennen, was Eltern in der Regel intuitiv wahrnehmen, sofern das Kind eine gesunde Entwicklung durchläuft. Janine Schöppen vertieft dies am Beispiel der Logopädie: „Schluck- und Esstherapie ist manchmal bereits bei den ganz Kleinen erforderlich. Die Logopädie unterstützt die Eltern bei mundmotorischen Übungen und oraler Stimulation.“

Autismus verlangt nach komplexen Hilfen

Eine weitere strukturelle Herausforderung ergibt sich aus zu wenig Plätzen in Heilpädagogischen Tagesstätten. Sie betreuen Kinder mit einem hohen Förderbedarf, die Kapazitäten reichen in der Regel aber nicht aus. Vor allem der Anteil von Kindern mit Autismus wachse stark, so Janine Schöppen und fährt fort: „Diese Kinder brauchen frühzeitig komplexe Hilfen. Fehlt eine fachliche Begleitung, so werden sie in ihrer Entwicklung und ihren Möglichkeiten stark zurückbleiben. Immer öfter werden wir mit solchen Fällen konfrontiert, können diesen Mangel auf Dauer aber nicht kompensieren. Die Herausforderungen beginnen bereits im Kindergarten, in der Vorschule.

Deutsche Bahn engagiert sich für die Lebenshilfe

Unter dem Slogan die ‚DB packt an‘ engagieren sich Mitarbeiter*innen der Deutschen Bahn bundesweit in sozialen Unternehmen. In München waren sie für die Lebenshilfe aktiv, die für ihre Fahrrad-Rikscha für den Winter einen Unterstellplatz braucht.

Peter Puhlmann (r.) und Harry Zipf (m.) mit den Mitarbeiterinnen der Deutschen Bahn nach erfolgreicher Arbeit im Garten der Lebenshilfe München.

Die Rikscha war ihren ersten Sommer im Einsatz, um Menschen mit Behinderung die Teilnahme an gemeinsamen Radausflügen zu ermöglichen. „Und dafür haben wir in München und vor allem auch im Umland viele Möglichkeiten und machen davon gerne Gebrauch,“ informiert Harry Zipf, Bereichsleiter der Offenen Dienste der Lebenshilfe München.

Gemeinsames Arbeiten verbindet, hier die Mitarbeiterinnen der Deutschen Bahn bei der Lebenshilfe.

Fünf Mitarbeiter*innen der Deutschen Bahn packten mit an, um im Garten der Geschäftsstelle in Giesing (St. Quirin Str.) ein großes winterfestes Zelt mit schwerem Gestänge zu errichten. So konnte Platz in einer Garage geschaffen werden, in der die Fahrrad-Rikscha nun auf das nächste Frühjahr wartet. Vielleicht ist sie auch noch an warmen schönen Herbsttagen unterwegs, um Menschen mit Behinderung ein ganz besonderes Erlebnis zu bereiten.

Peter Puhlmann, Vorstand und Geschäftsführer der Lebenshilfe München, dankt für das Engagement der DB-Mitarbeiter*innen und betont: „Es sind Aktionen wie diese, die die Notwendigkeit eines gesellschaftliche Engagements für die Lebenshilfe München verdeutlichen. Nur im Zusammenwirken wie jetzt etwa von Mitarbeitern der Deutschen Bahn und der Aktion Mensch mit ihrer großzügigen Spende für unsere Rikscha ist es möglich, Menschen mit Behinderung über die Regelleistungen hinaus besondere Erlebnisse und Möglichkeiten zu bieten.“

Zu guter Letzt noch ein prüfender Blick auf das vollbrachte Werk.

Im Herbst gab es eine Rikscha für die Lebenshilfe

– ‚Aktion Mensch‘ unterstützte mit 5.000 Euro
– Weitere Spenden und ein Zuschuss von der Stadt München

Vielen Menschen mit Einschränkung ihrer Mobilität sind Fahrten oder gar Ausflüge auf dem Fahrrad nicht möglich. Sie stehen häufig außen vor, wenn Freunde, ihr Verein oder ihre Gruppe einen Fahrrad-Ausflug unternehmen. Dies bedauert man bei der OBA der Lebenshilfe München schon länger, denn die Organisation und Durchführung von Freizeitaktivitäten ist das Kernanliegen der Offenen Behindertenarbeit und dabei geht es immer um Teilhabe, um die Inklusion von Menschen mit Behinderung.

Die Rikscha wartet auf ihren ersten Einsatz bei der Lebenshilfe München.

OBA-Leiter der Lebenshilfe München, Harry Zipf, freut sich darum besonders über einen Zuschuss der Aktion Mensch von 5000 Euro zum Kauf einer Fahrrad-Rikscha mit Tretunterstützung (E-Bike). Was an Geldern noch fehlte, konnte durch weitere Spenden und mit einem Programm der Stadt München zur Förderung der Elektromobilität aufgebracht werden. Es ermöglicht uns Ausflüge und kleine Radtouren im Umland von München „für Alle“ so Harry Zipf. Die E-Bike-Rikscha kann auch vom gemeinschaftlichen Wohnen der Lebenshilfe München Wohnen GmbH für gemeinsame Ausflüge genutzt werden.

Lesen Sie den ganzen Artikel unter:

Ausbildung zum Heilerziehungspfleger

Vom hohen Anspruch des Berufes – Schülertag bei der Lebenshilfe München

Heilerziehungspfleger*innen sind nach Wikipedia „Fachkräfte für Teilhabe, Bildung und Pflege“. Im erweiterten Sinne ist das Berufsbild eine Menschenrechts-Profession, denn Menschen werden bei der Umsetzung ihrer gesellschaftlichen und rechtlichen Ansprüche unterstützt und gefördert. Das ist für viele junge Personen der eigentliche Antrieb für eine Ausbildung in diesem Beruf. Menschen helfen, sie zu fördern und pflegend zu unterstützten, impliziert einen ganzheitlichen Ansatz.

Kommunikation für den Berufsabschluss

Zum Start in das letzte Ausbildungsjahr gab es eine kleine Schultüte mit ‚Nervennahrung‘. Auf dem Foto die angehenden Heilerziehungspfleger*innen sowie Lisa Hasenberger (l.) und Antje Hiltscher (r.) von der Lebenshilfe München.

Acht angehende Heilerziehungspfleger*innen beginnen bei der Lebenshilfe München jetzt ihr drittes und letztes Ausbildungsjahr. Traditionell steht am Anfang des neuen Berufsjahres ein Schülertag in der Geschäftsstelle in München-Giesing (St. Quirin-Str.). Die Leiter der Wohnen-GmbH und der Wohneinrichtungen treffen sich zu einem gemeinsamen Austausch, um über Erreichtes zu sprechen, das neue Ausbildungsjahr zu erörtern und sich über konkrete Situationen und Anliegen abzustimmen.

Als Zweitkraft in der Ausbildung

Die Schüler*innen besuchen die Fachschulen für Heilerziehungspflege der Akademien Schönbrunn, Wolfratshausen und Augsburg an zwei Tagen in der Woche und arbeiten innerhalb der ‚Lebenshilfe Wohnen GmbH‘ als Zweitkraft wöchentlich 20 Stunden mit ordentlichem Arbeitsvertrag und Gehalt. Schwerpunkt des letzten Ausbildungsjahres ist die Facharbeit. Die muss einen direkten Bezug zur praktischen Arbeit herstellen, und in Gesprächen mit ihren Mentor*innen werden die Themen abgestimmt und vertieft.

Facharbeit für Heilerziehungspfleger*innen

Bevor sich nun die Aspirant*innen an ihre Facharbeit für ihren Berufsabschluss als Heilerziehungspfleger*innen machen, muss ihre Facharbeit von den Bildungszentren, etwa der ‚Akademie Schönbrunn‘, genehmigt werden. Nach erfolgtem Abschluss im Sommer 2023 sind sie begehrte Fachkräfte, „die wir gerne weiterbeschäftigen möchten“, bekräftigt das Leitungsteam der Lebenshilfe München Wohnen GmbH mit René Pfeifer (Geschäftsführer und Vorstand), Einrichtungsleiter*innen Antje Hiltscher und Klaus Huber, sowie Lisa Hasenberger, Ausbildungskoordinatorin und Leiterin des Wohntrainings bei der Lebenshilfe München bei dem Schülertag in der Lebenshilfe-Geschäftsstelle unisono.

Lesen Sie dazu auch unseren Blogartikel „Die Ausbildung steht im Focus“. Ein Auszug:

Von der Theorie zur Praxis

Einrichtungsleiter Klaus Huber kennt die besonderen Herausforderungen, die der Beruf eines Heilerziehungspflegers mit sich bring. Foto: Gerd Spranger
Klaus Huber kennt die Herausforderungen, die der Beruf eines Heilerziehungs-Pflegers mit sich bringt. Foto: Gerd Spranger

Lisa Hasenberger, Ausbildungskoordinatorin und Leiterin des Wohntrainings bei der Lebenshilfe München und Klaus Huber, Einrichtungsleiter der Wohneinrichtung am Willinger Weg und in Unterschleißheim, begrüßten im Vortragssaal der Geschäftsstelle sieben Schülerinnen und Schüler in unterschiedlichen Ausbildungsjahren und verschiedenen Wohngruppen.

Insgesamt haben sich in diesem Jahr zwölf SchülerInnen für die Ausbildung bei der Lebenshilfe Wohnen GmbH entschieden. Es gab in diesem Jahr mehr BewerberInnen als freie Stellen. Die SchülerInnen werden, anders als bei vielen Trägern üblich, mit einem Arbeitsvertrag als Zweitkraft angestellt. Sie arbeiten im Durchschnitt etwa 20 Wochenstunden in den Wohngruppen und verbringen etwa eben so viel Zeit in der Schule. Im Gruppenalltag werden sie von erfahrenen Fachkräften, von so genannten MentorInnen begleitet und angeleitet.

Der Link zum Artikel:

Frühförderung und Sprache als Schlüssel

Im Gespräch mit Janine Schöppen von der
Lebenshilfe-Frühförderung in München-Riem

Auf der Homepage der Lebenshilfe München (LM) sind die Aufgaben und das Umfeld für interdisziplinäre Frühförderungen klar dargestellt. Seit über 40 Jahren arbeiten sie beratend, therapeutisch und pädagogisch zusammen. Familien mit entwicklungsauffälligen und/oder beeinträchtigten Kindern erhalten ein individuell abgestimmtes Förderangebot. Die LM betreibt fünf solcher Einrichtungen in Stadt und Landkreis München. Die jüngste LM-Frühförderung ist in Riem zu finden, wo auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens, in direkter Nachbarschaft zu dem großen Messegelände, ein neuer Stadtteil mit Tausende von Wohnungen errichtet wurde. Die Redaktion hat sich mit Einrichtungsleiterin und Diplom-Psychologin Janine Schöppen unterhalten und gibt einen Einblick hinter die Kulissen der täglichen Arbeit und in die Anforderungen an das Team mit 13 Fachkräften.

Die Sprache und die Entwicklung

Janine Schöppen freut sich über die neue Einrichtungen, die hellen Räume und die Möglichkeiten der Lebenshilfe-Frühförderung in Riem.

„90 Prozent der hier betreuten Kinder haben einen Migrationshintergrund, sie kommen aus allen Kontinenten zu uns,“ bekennt die Psychologin, „doch mit fast allen können wir auf deutsch oder englisch gut kommunizieren.“ Nur in Ausnahmefällen brauche es einen Dolmetscher*in, häufig übersetzen Familienmitglieder oder auch Bekannte zur Überwindung einer Sprachbarriere. Die Sprache ist häufig auch der Schlüssel, wenn es um die Einschätzung der Ursachen einer Entwicklungsverzögerung geht. „Bei uns gibt es keinen Deutschkurs, sondern wir helfen bei Problemen in der Sprachentwicklung“, stellt Janine Schöppen klar.

„Das wiederum bringt weitere Einschränkungen mit sich, weil sie sich im Kindergarten nicht richtig verständigen können.“ Es ist darum ein Anliegen der Psycholog*innen, Pädagog*innen und Therapeut*innen der interdisziplinären Lebenshilfe-Frühförderung (FF) in Riem, dass die Eltern von Anfang an üben deutsch zu sprechen. „Häufig erleben wir, dass erst Hemmschwellen überwunden werden müssen. Doch der Erfolg stellt sich schnell ein, auch wenn erst wenige Worte und einfache Sätze gesprochen werden und das schafft eine gute Basis“, so die Einrichtungsleiterin der FF-Riem.

Beratung und Förderbedarf

Janine Schöppen im Gespräch mit einer Kollegin – Fotos: Gerd Spranger

Nach der ersten Kontaktaufnahme wird zunächst in einem einfachen offenen Beratungsangebot der Bedarf ermittelt. Wenn ein komplexer Förderbedarf bestehen sollte, dann findet eine Diagnostik statt um zu überprüfen, welche Therapien notwendig sind.
„Wir versuchen, den Eltern ein Bild zu geben, was bei einer längerfristig angelegten Therapie auf sie zukommt und wie sie helfend mitwirken können. Dabei geht es zunächst um Grundsätzliches, denn erst nach der Eingangsdiagnostik wird ein Therapieplan erstellt.“

Für die Eingangsdiagnostik spricht eine Psychologin mit den Eltern und führt mit den Kindern altersabhängig eine Testung durch. „Bei den ganz kleinen Kindern fahren wir dafür schon mal zu ihnen nach Hause“, ergänzt Janine Schöppen. Auch aus Kindergrippen und Kindergärten kommen immer wieder Rückmeldungen und Anfragen und meist können hier vor Ort Therapieräume genutzt werden.

Welche Förderungen gibt es?

Insgesamt ist es für betroffene Eltern häufig nicht leicht, einen Überblick über alle Fördermöglichkeiten zu bekommen. „Vergessen Sie bitte nicht, dass 90 Prozent der Fälle einen Migrationshintergrund haben. Neben der Sprache ist ihnen der Weg durch die Behörden hindurch nicht vertraut, das schaffen häufig nicht einmal hier seit Generationen lebende Familien. Es gibt keine zentrale Stelle, und wenn im Vorfeld nicht ein Sozialberater – etwa in einer Einrichtung – informiert hat, dann ist es wirklich kompliziert. Ist etwa ein Aufenthaltstitel vorhanden, eine Duldung, ist der Bezirk der Kostenträger, das Sozialamt oder das Amt für Wohnen? Liegt ein anerkannter Behindertenstatus für das junge Kind vor oder ein Pflegegrad?“. Diese und ähnliche Fragen stellen sich betroffene Eltern, wie die Einrichtungsleiterin betont.

Breite Beratung vor Ort

Die Raumgestaltung haben die Mitarbeiter*innen selbst ausgeführt.

Die Lebenshilfe München hat zur Unterstützung monatlich ein Beratungsangebot in der Frühförderstelle Feldkirchen, das von Harry Zipf, Bereichsleitung Offene Dienste, betreut wird. Schwerpunkte der Beratung sind etwa Ansprüche und Leistungen der Pflegeversicherung, Schwerbehindertenrecht und Schwerbehindertenausweis sowie Unterstützungsmöglichkeiten durch den Familienunterstützenden Dienst. Das Angebot wird gerne angenommen, da es Wohnortnah stattfindet und auch nach Feierabend in Anspruch genommen werden kann. Die Termine finden Sie hier:
https://www.lebenshilfe-muenchen.de/beratung-und-begleitung/entlastung-fur-die-familie/

Die Lebenshilfe München ist glücklich, seit einem Jahr direkt in München-Riem eine eigene Frühförderung anbieten zu können, auch wenn es zur FF-Einrichtung nach Feldkirchen nur wenige Kilometer sind. Die Räume sind groß und hell gestaltet, wurden von den Mitarbeiter*innen nach eigenen Vorstellungen eingerichtet und bieten auf 200 Quadratmetern viel Platz für die unterschiedlichen Therapieformen sowie die Verwaltung (siehe Bericht). https://lebenshilfeblog.de/2021/07/21/fruhforderung-weiter-sehr-gefragt/

Lesen Sie im zweiten Teil der Reportage von Hintergründen und weiteren „Stolpersteinen“, mit denen Eltern vor allem im Brennpunkt München-Riem konfrontiert sind.

Viele Gesichter und Herausforderungen der Frühförderung

Insgesamt werden in Feldkirchen und München-Riem von der Frühförderung der Lebenshilfe München 210 Kinder und ihre Familien betreut. Die neue Stelle in Riem bedeutet zwar eine Entlastung für Feldkirchen, doch Einrichtungsleiterin Janine Schöppen wünscht sich eine Erweiterung der Kapazitäten, denn die Nachfrage ist groß und die Warteliste wächst seit Jahren.

„Es gibt nicht mehr Studienabgänger*innen“

„Das Problem ist, wie in vielen anderen Bereichen auch, das Fehlen von Fachkräften“, bedauert die Psychologin. Seit Monaten sucht die Lebenshilfe München vergebens Logopädinnen, um ein weiteres Team aufzubauen. „Eigentlich gibt es nicht weniger Fachkräfte, doch seit 2015 verzeichnen wir einen starken Zuzug von jungen kinderreichen Familien. Der Arbeitsmarkt und auch die Studienplätze sind dafür aber nicht erweitert worden“, erkennt Janine Schöppen die Ursachen des Mangels, der vor allem in München-Riem deutlich werde und ist dabei ein wenig ratlos. „Die hier stattfindenden Veränderungen sind auf der politischen Ebene offenbar noch nicht angekommen“, bedauert sie.

„Noch einschneidender ist etwa der Mangel an Kinderärzt*innen. Hier im Stadtteil gibt es überhaupt keine, und jene in München und Umgebung sind völlig ausgelastet, nehmen keine neuen Kinder an. Eine Katastrophe für die hier lebenden Familien.“

Lesen Sie den ganzen Artikel unter:
https://lebenshilfeblog.de/2022/09/27/viele-gesichter-und-herausforderungen-der-fruehfoerderung/

Interview: Gerd Spranger

Lebenshilfe-Vorstand Peter Puhlmann unterstützt CSU-Antrag für mehr Mobilitäts-Hilfe

Andrea Gassmann von der CSU München setzt sich für einen verbesserten Mobilitäts-Service in der Stadt ein und die CSU-Stadtratsfraktion hat dafür jetzt einen Antrag gestellt. Es geht um bessere Hilfsangebote für die Erreichbarkeit des ÖPNV und um eine Entlastung im Alltag. Ob für Menschen mit Behinderung, für Senioren, Schwangere und Mütter mit kleinen Kindern (Kinderwagen).

Der Sender München.TV hat das Thema aufgegriffen und dazu die Lebenshilfe München besucht. Lebenshilfe-Vorstand Peter Puhlmann begrüßt diesen Vorstoß im Rathaus und verweist auf den Behindertenbeirat der Stadt, der diese Forderung ebenfalls stellt. Harry Zipf, Leiter der OBA wünscht für die Wochenenden und an Feiertagen ein verbessertes Angebot.

Der Sendebeitrag ist zu sehen unter: https://www.muenchen.tv/mediathek/video/mehr-mobilitaet-csu-fordert-mehr-hilfsprogramme/

Der Begleitservice ist gut etabliert

Der Bus und Bahn Begleitservice richtet sich an Fahrgäste, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Die städtische Dienstleistung im Rahmen des Münchner Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramms (MBQ) ist seit 2015 ein Erfolgsprojekt, das den Münchner Bürgerinnen und Bürgern kostenfrei zur Verfügung steht. Im Jahr 2019 kam der Bus und Bahn Begleitservice auf rund 4.300 Begleitungen. Die Leistungen des Begleitservices sind kostenfrei. Die Begleitung kann bislang montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr in Anspruch genommen werden.
Weitere Infos unter:
https://muenchenunterwegs.de/angebote/bus-und-bahn-begleitservice

MdL Claudia Köhler engagiert für die Lebenshilfe München

Z U R P E R S O N :

MdL Claudia Köhler engagiert sich für die Lebenshilfe München. Foto: Andreas Gregor

MdL Claudia Köhler ist erst seit 2014 politisch aktiv, zunächst als Gemeinderätin in Unterhaching (2014). 2018 wurde sie für die Partei Bündnis 90/Die Grünen in den Bayerischen Landtag (MdL) gewählt und seit 2020 ist sie auch im Kreistag des Landkreises München vertreten. Zuvor leitete sie als Diplom-Betriebswirtin den Bereich Marketing, Presse und Einkauf bei den Filmtheaterbetrieben Georg Reiss und war ab 1995 mit einer Agentur für Marketing, Presse, PR und Sonderveranstaltungen bis 2018 selbständig. Danach folgte ein Engagement als Pressereferentin für den Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen München und von 2013 bis 2018 übte Claudia Köhler eine nebenberufliche Tätigkeit bei der Evangelischen Kirchengemeinde Unterhaching und in der Verwaltung eines Unterhachinger Kindergartens aus. Claudia Köhler lebt in Unterhaching. Sie ist verheiratet und hat drei erwachsene Söhne. Wir haben uns mit ihr über ihr Engagement im sozialen und politischen Bereich unterhalten.

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Redaktion: Liest man ihren Lebenslauf fällt auf, dass Sie sich erst spät politisch engagierten. Basis ihrer fast 20-jährigen Selbständigkeit war ihr FH-Studium. Sie wirkten in der Evangelischen Kirchengemeinde und im Kindergarten von Unterhaching mit, sind verheiratet und Mutter dreier Söhne. Das ist eine ganze Menge und man hat den Eindruck, Sie stehen mitten im Leben, wissen von was Sie sprechen. Wie wichtig ist so viel Lebenserfahrung im politischen Alltag?

MdL Claudia Köhler: Für mich war die Lebenserfahrung im Beruf und in ehrenamtlichen Tätigkeiten ganz entscheidend dafür, in die Politik einzusteigen. Immer wieder habe ich gesehen, dass auf allen politischen Ebenen wesentliche Aufgaben nicht angegangen werden. Am meisten hat mich meine Erfahrung mit drei Schulkindern geprägt. Ich habe es als Privileg empfunden, meine Erwerbstätigkeit für die Kindererziehung zurückstellen zu können und den Kindern zu helfen. Dabei habe ich gesehen, wie viel Ungerechtigkeit im Bildungswesen herrscht und wie sehr die Startvoraussetzungen vom Elternhaus geprägt sind – eigentlich auch volkswirtschaftlich unklug. Da hab ich mich an Grüne Gemeinderätinnen gewendet. Und so ging es – zunächst auf kommunaler Ebene – los…

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Redaktion: Wenn man selbst so ‚mitten im Leben steht‘, ist man dann eher bereit, sich noch zusätzliche Engagements aufzubürden, wie etwa für die Lebenshilfe München, trotz eines übervollen Terminkalenders? Seit vielen Jahren unterstützten Sie ebenso die Münchner Kindertafel (Glockenbach), den Asylhelferkreis und die Freiwillige Feuerwehr Unterhaching, die Kirchengemeinde und die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft.

MdL Claudia Köhler: Ja, ich sehe einfach, wo es brennt, werde um Unterstützung gefragt und packe dann gerne an. Ich habe in meinem Leben viele Chancen bekommen und möchte der Gemeinschaft etwas zurück geben. Mit meinem Landtagsmandat gibt es oft zeitsparende Synergieeffekte, denn man wird als Abgeordnete ernster genommen als bloß als Ehrenamtliche. Das ist zwar traurig, aber ich setze es gerne für die gute Sache ein. Mich „erden“ meine Ehrenämter und bewahren mir den Blick ins „richtige Leben“. Daher bin ich in der Kirche, im Gemeinderat und Kreistag, im Asylhelferkreis und anderen Vereinen weiterhin ehrenamtlich aktiv. Ich bin eine Praktikerin, ich möchte wissen und ausprobieren, was an politischen Rahmensetzungen – sowohl auf kommunaler als auch auf Landesebene – funktioniert und wo nachgebessert werden muss.

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Redaktion: Gerne appelliert die Politik an das Engagement und Ehrenamt in der Bevölkerung, und gleichzeitig sinkt die Bereitschaft etwa in Vereinen eine verantwortliche und längerfristige Funktion zu besetzen. Hindert eine ausufernde Freizeitgesellschaft daran oder ist es der berufliche und private Druck unter dem wir alle stehen?

MdL Claudia Köhler: Sinkt die Bereitschaft wirklich oder ändert sich nur die Art des Engagements? Ich glaube, dass sich die Menschen nicht mehr so dauerhaft binden wollen und in Zeiten wie diesen auch nicht mehr können. Aber die Bereitschaft von ganz vielen, punktuell mitzuhelfen, ist auf jeden Fall vorhanden. Das hat man gut bei den Aufräumarbeiten im Ahrtal oder bei den Welcome-Centern für die Ukraine-Geflüchteten gesehen – da gab es Tausende Freiwillige, die sofort angepackt haben. Der berufliche Druck spielt sicher eine Rolle, aber auch der finanzielle Druck, die Miete und Lebenshaltung mit einem weiteren Job statt Freizeit oder Ehrenamt zu sichern, ist enorm.

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Redaktion: Organisationen wir die Lebenshilfe München sind auf das Ehrenamt angewiesen, denn vor allem im Bereich der Offenen Behindertenarbeit gibt es dafür ein breites Spektrum wie etwa: Kurse und Freizeitangebote, Ausflüge und der Besuch von Museen oder anderer Einrichtungen, bei Sportveranstaltungen, Freizeitclubs oder im privaten Umfeld.

MdL Claudia Köhler: Schon lange werben wir Grüne für eine Anerkennung des Ehrenamts, um Berücksichtigung bei der Rente, um Unterstützung für die Zahlung von Ehrenamtspauschalen etc.. Die demografische Entwicklung wird es weiter erschweren; denn viele der jetzt aktiven ehrenamtlichen Senior*innen werden in 10 bis 20 Jahren nicht mehr das leisten können, was sie derzeit leisten und es kommen weniger Jüngere nach.

Ein großer Punkt ist aber, dass immer mehr Aufgaben von Ehrenamtlichen übernommen werden müssen, für die der Staat originär zuständig wäre: Das fängt beim Lesen-Lernen kleiner Kinder an und hört bei der Betreuung von Senior*innen und Hilfe bei der Teilhabe für Menschen mit Behinderungen noch lange nicht auf. Hier braucht es viel mehr staatliche Weichenstellung, Infrastruktur und Finanzierung anstatt die Probleme einfach den Bürger*innen zu überlassen.

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Redaktion: Vielleicht kommt ihr politischer Einfluss besonders zur Geltung, blickt man auf die Gesamtstruktur der Lebenshilfe München. Es geht um Teilhabe, um das Wohnen, um Selbstbestimmung und das Leben ganz allgemein, von der Frühförderung bis zum Rentenalter.

MdL Claudia Köhler: Ja, gerade als stellvertretende Vorsitzende im Haushaltsausschuss sehe ich die Fäden beim Geld zusammenlaufen. Manches gehört in den Bildungsetat, manches ins Bauministerium, manches ins Sozialministerium oder beim Hochschuletat – auch Mobilitätsangebote spielen für Teilhabe eine große Rolle. Und sehr oft würden rechtzeitige Investitionen an der richtigen Stelle viel Geld sparen, ganz besonders im Bildungsetat.

Ich sehe meine Aufgabe darin, in jedem Bereich die Notwendigkeiten für ALLE Menschen mitzudenken und ganz besonders für diejenigen, die zu wenig gesehen und gehört werden, z.B. Menschen mit Einschränkungen. Zudem kann ich als Politikerin mit vielen Kontakten gut vernetzen und wichtige Akteur*innen zusammenbringen. So helfe ich weiterhin bei der Arbeitssuche für Geflüchtete, bei bürokratischen Absurditäten und angesichts der vielen fehlenden HPT-Plätze bei der Suche nach Grundstücken.

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Redaktion: Sie selbst sind im reichen Speckgürtel von München großgeworden und leben bis heute dort. Gerade hier ist der ÖPNV seit 50 Jahren vorbildlich ausgebaut und es gibt viel mehr Möglichkeiten für Menschen mit Behinderung, als etwa ‚auf dem Land‘. Dennoch haben Sie bei ihrem Sommertreffen (im Juli) mit der Lebenshilfe im Bayerischen Landtag vom „Debakel bei der zweiten Stammstrecke“ gesprochen und ebenso den Fachkräftemangel thematisiert. Es wird hier keine schnellen Lösungen geben, oder was macht Ihnen da Hoffnung?

MdL Claudia Köhler: Der ÖPNV wurde nicht SEIT 50 Jahren vorbildlich ausgebaut, sondern VOR 50 Jahren. Das Angebot ist bei weitem nicht ausreichend mit der Großstadt und dem Ballungsraum und den wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen mitgewachsen. Bei der zweiten Stammstrecke kann es keine schnellen Lösungen geben, gerade erst wurden von den Verantwortlichen alle Zeitpläne entgegen der Zusagen weit nach hinten verschoben – und das zu Milliarden von Kosten. Wir brauchen aber sofort Ertüchtigung der bestehenden Infrastruktur, überall Barrierefreiheit und Verknüpfungen der bestehenden ÖPNV-Angebote sowie ein besseres Angebot auch für ländliche Regionen. Barrierefreiheit ist im ÖPNV bei weitem nicht erreicht.

Und ja, der Fachkräftemangel war lange absehbar, aber es wurde von der Staatsregierung weder mit der Bildungspolitik, noch mit Ausbildungsprogrammen rechtzeitig reagiert. Der Lehrkräftemangel war kein Geheimnis.

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Redaktion: In München gibt es eine breite Bewegung unter dem Leitwort „München wird inklusiv“ mit angeschlossenem Koordinierungsbüro bei der Stadtverwaltung. Viele Vereine und Beteiligte wirken zusammen, um das Umfeld für Menschen mit Behinderung zu verbessern. Was gefällt Ihnen daran besonderes und wo sehen Sie noch Handlungsbedarf?

MdL Claudia Köhler: Mir gefällt, dass das Thema Inklusion mit solchen Bewegungen und Initiativen in den Fokus genommen und dafür geworben wird. Allerdings braucht es auch die Umsetzung von Maßnahmen und dafür das nötige Geld. Solange wir noch drüber reden müssen und nicht per se ausreichend barrierefreie Wohnungen vorhanden und jedes öffentliche Gebäude, jeder Bahnhof, jede Toilette und jedes Fest barrierefrei erreichbar ist, solange nicht jedes Kind einen HPT- oder inklusiven Betreuungsplatz hat, gibt es noch viel Handlungsbedarf.

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Redaktion: Zum Schluss: Was fällt Ihnen spontan beim Stichwort Inklusion ein?

MdL Claudia Köhler: Wir sprechen viel von Inklusion, aber Inklusion im Alltag muss endlich selbstverständlich werden – was im Übrigen längst gesetzlich vorgeschrieben wäre. Kinder und Jugendliche machen weniger Unterschiede als die Erwachsenen, wenn man sie unterstützt und ganz normal – eben inklusiv – alle Menschen mitdenkt und mitlebt. Dazu braucht es aber beispielsweise in den Kitas und in den Schulen genügend Fachpersonal und inklusive Gebäude, die niemanden ausschließen. Im Gegensatz zu den Kindern denken Erwachsene meistens ans Geld und an kurzfristige Kosten anstatt an Teilhabe. Wir sollten uns ein Beispiel an unseren Kindern nehmen, denn es lohnt sich. Alles andere ist ungerecht.

Vielen Dank für das Gespräch. Interview: Gerd Spranger

Erfolgsgeschichte: Wohnen im Sozialraum

Noch im Dezember konnten die Lebenshilfe-Vorstände (v.l.), René Pfeifer und Peter Puhlmann acht Wohnungen anmieten.

(gsp) Selbständiges „Wohnen im Sozialraum“ ist die jüngste und fortschrittlichste Wohnform, die die Lebenshilfe München für Menschen mit geistiger Behinderung bietet. In München-Langwied mietete der Verein acht Wohnungen an und Bernhard ist einer der Mieter, der im Februar dort einzog. Schon früh verspürte der heute 26-Jährige den Wunsch nach einem selbständigen Leben und zog vom Elternhaus in eine Wohngruppe der Lebenshilfe, in ein betreutes Wohnen.

Schnell war klar, dass er sich gut zurecht fand. Tagsüber arbeitete er (bis heute) in der Augustinum-Werkstatt in Oberschleißheim. 2016 wechselte er dann in eine betreute Wohngemeinschaft mit elf Personen und drei Jahre später in ein eigenes Appartement am Kiem-Pauli-Weg. Dort bereitet die Lebenshilfe München die Bewohner auf ein selbständiges Leben vor.

Ein Training für die Selbständigkeit

Bernhard freut sich über den schönen Balkon.

Es war also ein langer Prozess, bevor Bernhard nun endlich in Langwied ein selbständiges Wohnen möglich ist. Selbst bekräftigt er die Notwendigkeit einer guten Vorbereitung für ein selbständiges Leben. Alltägliche Dinge, wie die eigene Wohnung ordentlich und sauber zu halten, das Einkaufen und auch den Überblick über das Geld, also über das persönliche Budget zu haben, setzt viel Eigenverantwortung voraus. Die Betreuerin der Lebenshilfe stellt Bernhard dabei ein gutes Zeugnis aus. „Seine Wohnung hält er ‚tip-top‘ sauber und er kommt auch sonst gut zurecht.“

Den Wocheneinkauf bespricht Bernhard regelmäßig mit seiner Betreuerin und hebt dafür die Einkaufszettel auf, führt ein eigenes Haushaltsbuch. „Zuvor schaue ich immer was ich einkaufen muss,“ bekräftigt er. Leider gibt es direkt in Langwied noch keinen Supermarkt. Bernhard muss drei Stationen mit dem Bus fahren, bevor er bei den Geschäften ist. Aber auch das schafft er ohne Probleme. Die gesetzliche Betreuerin hilft auch beim Briefverkehr mit den Behörden bzw. bei Amtsgeschäften und wichtigen Angelegenheiten.

Neue Konzepte des Zusammenlebens

Bernhard fühlt sich in seiner neuen Wohnung und dem Umfeld wohl.

„Wohnen im Sozialraum“ nimmt im Münchner Westen, im Stadtteil Aubing-Lochhausen-Langwied (Stadtbezirk 22) neue Formen an, denn auch die Stadt München selbst will dort neue Konzepte des Zusammenlebens verwirklichen und man hat dafür ganz bewusst die Lebenshilfe München angesprochen. Aktuell wird noch viel gebaut, so die Betreuerin, und es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis sich die Infrastruktur verbessere. Bernhard konnte zu seinem direkten Wohnungsnachbarn bislang einen guten Kontakt aufbauen. „Ansonsten ist es in einer Stadt wie München nicht ganz einfach, denn die Menschen hier sind alle berufstätig, ebenso wie Bernhard. Da bleibt für das Private häufig zu wenig Zeit,“ schildert die Lebenshilfe-Betreuerin die Situation.

Smartphone als wichtiger Begleiter

Ein wichtiger Begleiter für den Alltag ist für Bernhard das Smartphone. Damit kommt er gut zurecht und die wichtigen Nummern hat er eingespeichert. Das ist wichtig, sollte man mal den Haustürschlüssel vergessen, wie es jüngst seinem Nachbarn passierte. Anderen Menschen mit Behinderung empfiehlt er ebenfalls ein Wohntraining zu durchlaufen. „Da habe ich viel gelernt, alles was ich heute für meine Selbständigkeit brauche“, betont er. Bereut hat er den Schritt ‚in die eigenen vier Wände“ nie. Er fühlt sich wohl und genießt das ganz persönliche Stück Freiheit.

Mehr zum jüngsten Wohnprojekt der Lebenshilfe München lesen Sie unter:

https://lebenshilfeblog.de/2021/12/22/neue-wohnungen-der-lebenshilfe-munchen/

MdB Florian Hahn und sein Engagement für die Lebenshilfe

Florian Hahn ist gebürtiger Münchner (1974) und begann sein politisches Engagement während seines Wehrdienstes 1996 als Gemeinderat. Seit 2009 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages und seit Februar 2022 erster internationaler Sekretär der CSU. Im Bundestag ist er verteidigungspolitscher Sprecher der CDU/CSU-Fraktion.
MdB Florian Hahn

MdB Florian Hahn ist Familienvater von zwei Kindern. Er engagiert sich über seine politischen Mandate hinaus seit Jahren ehrenamtlich im sozialen Bereich. Seit 2015 ist er Vorstand der Stiftung Lebenshilfe München. Die Redaktion hat bei MdB Florian Hahn wegen seines Engagements für die Lebenshilfe München nachgefragt:

FOTO: Florian Hahn ist gebürtiger Münchner (1974) und begann sein politisches Engagement während seines Wehrdienstes 1996 als Gemeinderat. Seit 2009 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages und seit Februar 2022 erster internationaler Sekretär der CSU. Im Bundestag ist er verteidigungspolitscher Sprecher der CDU/CSU-Fraktion.

Redaktion: „Sie kennen die Lebenshilfe München bereits gut aus ihrer Zeit als Gemeinderat von Putzbrunn und Kreisrat des Landkreises München. Vor sieben Jahren haben Sie sich für ein Engagement entschieden. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

MDB Florian Hahn: Mich hatte seinerzeit die damalige Vorsitzende der Lebenshilfe München, Altlandrätin Johanna Rumschöttel, angesprochen. Ich kannte Sie schon viele Jahre durch unser kommunalpolitisches Engagement und fand ihren Einsatz immer sehr bewundernswert. Neben der Tatsache, dass die Lebenshilfe für Putzbrunn eine ganz besondere Rolle spielt, habe ich selbst eine Cousine mit Beeinträchtigung und kenne die Thematik auch aus familiärer Sicht. Insofern habe ich mich auch emotional zu dem Engagement hingezogen gefühlt und mache es nach wie vor sehr gerne!

Redaktion: Die letzten Jahre hatten wir – von gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen durch die Corona-Pandemie abgesehen – stabile wirtschaftliche Verhältnisse im Land. Und dennoch war und ist es immer nötig, sich für die Rechte von Menschen mit Behinderung und die Menschenrechte im Allgemeinen einzusetzen, auch in einer reichen Region wie München.

MDB Florian Hahn: Genau so ist es und umso wichtiger ist es auch, darauf unentwegt aufmerksam zu machen. Ich nutze dazu die mir zur Verfügung stehenden Gremien und Netzwerke. Denn hierfür bin ich aus voller Überzeugung und gerne Sprachrohr. Hier treffe ich viele andere Mitstreiter, die das Thema immer wieder in den Fokus rücken, so z.B. unser Landrat Christoph Göbel, der gleichfalls in der Stiftung Lebenshilfe engagiert ist.

Redaktion: Wir spüren bei der Energieversorgung, den Benzinpreisen und den Kosten für Lebensmittel bereits heute die Preissteigerungen. Das trifft uns alle, doch stark auch die Lebenshilfe München mit ihren über 20 Einrichtungen in Stadt und Landkreis München. Sie wird in Zeiten wie diesen noch mehr Unterstützung brauchen.

MdB Florian Hahn: Absolut! Steigende Energie- und Lebensmittelkosten müssen gerade für unsere Schwächsten in der Gesellschaft abgefedert werden. Das gilt für Menschen mit Behinderung ebenso wie bspw. für Alleinerziehende oder Rentnerinnen und Rentner. Ich will nicht parteipolitisch werden, aber hier muss die Ampel-Regierung schnell liefern und zwar mit überzeugenden Antworten.

Redaktion: Das größte anstehende Projekt der Lebenshilfe München ist ein großer Neubau in Putzbrunn, der sich an die beiden bestehenden Einrichtungen angliedern soll. Die Genehmigungsphase sei so gut wie abgeschlossen, informierte Vorstand und Geschäftsführer Peter Puhlmann kürzlich. Die Preise aber könnten bei immer höheren Auflagen und stark ansteigenden Preisen für Rohstoffe und Handwerksleistungen ‚durch die Decke gehen‘ und das Projekt gefährden. Vor diesen Herausforderungen stehen andere Vereine und Kommunen ebenso. Sind wir einer Fehlentwicklung aufgesessen, gibt es Wege daraus?

MdB Florian Hahn und Lebenshilfe-Vorstand Peter Puhlmann besuchen die Wohneinrichtung in Putzbrunn.

MdB Florian Hahn: Hinterher ist man immer schlauer. Sie skizzieren eine Entwicklung, die uns alle – seit Jahren übrigens – trifft: Privatpersonen, die öffentliche Hand wie auch die Wirtschaft. Jetzt natürlich nochmals verschärft. Ich bin sicher, dass Vorstand und Geschäftsführung der Lebenshilfe hier alles transparent bewerten. Als Vorsitzender der Stiftung habe ich den Neubau immer unterstützt und auch für Spenden geworben. Aus meiner Sicht ist die Erweiterung mit Blick auf den Bedarf auch zwingend geboten. Insofern hoffe ich sehr auf eine Realisierung.

Redaktion: Wie alt sind ihre Kinder? Was geben Sie ihnen als besondere Botschaft für die Zukunft mit auf den Weg?

MdB Florian Hahn: Meine Kinder sind mittlerweile 13 und 15 Jahre alt. Sie nehmen also ihre Umwelt und auch gesellschaftspolitische Themen voll bewusst wahr. Meine Botschaft: Geht offen auf eure Umwelt zu und nehmt Menschen so wie sie sind – frei von Vorurteilen. Ausgrenzung in jeder Form ist immer der falsche Weg!

Interview: Gerd Spranger

Mit der Gesellschaft ändern sich auch die Wohnformen

Lebenshilfe München wird mit angepassten Wohnkonzepten
den Bedarfen gerecht

(gsp) Einer der größten Veränderungen innerhalb der Lebenshilfe München wirkt sich im Bereich Wohnen aus, seit 2013 ein Herzensanliegen von Vorstand und Geschäftsführer Peter Puhlmann. Seit 2017 ist René Pfeifer für diesen Bereich verantwortlich und wurde 2021 ebenfalls zum Vorstand berufen. Gemeinsam haben Sie viel voran gebracht, die Angebote den Bedarfen angepasst und ebenso die politischen Forderungen erfüllt, wie aktuell im Bundesteilhabegesetz (BTHB) verankert. Das Wohnen wird immer mehr als zentraler Teil des Lebens verstanden. Die Angebote der Lebenshilfe München sind heute darum besonders vielfältig. Peter Puhlmann erklärt die einzelnen Bereiche: Weiterlesen

HPT der Lebenshilfe feierte mit Schule ein großes Sommerfest

Auch die Kinder und Jugendlichen wirkten bei der Gestaltung des Sommerfestes der Lebenshilfe München in Unterhaching mit.

Groß war die Freude bei den Kindern und Jugendlichen sowie den Eltern und BetreuerInnen jetzt, nach drei Jahren, wieder ein großes Sommerfest zu feiern. Diesmal gemeinsam über drei Einrichtungen hinweg, nämlich mit: SVE (Schulvorbereitende Einrichtung), HPT-G (Heilpädagogische Tagesstätte) und die FZGE-Schule selbst, dem Förderzentrum mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung.

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Die Lebenshilfe besucht den Bayerischen Landtag

Vorstand, Aufsichtsrat und Bereichsleiter der Lebenshilfe München besuchten auf Einladung von MDL Claudia Köhler (Grüne) den Bayerischen Landtag und nahmen an einer Plenarsitzung teil. Im Blickpunkt stand der Bereich #BayernGemeinsamStark bei Familie, Arbeit und Soziales. Eine Thematik, von der die Lebenshilfe München unmittelbar betroffen ist, denn letztlich gehe es „um die Sicherung der Zukunft des Sozialstaates und dabei sind wir auf einen guten Weg“, hielt die Bayerische Staatsministerin, Ulrike Scharf, in ihrer Regierungserklärung fest. „Dies“, so die Ministerin, „belegt eindrücklich und auf wissenschaftlicher Basis der fünfte Bericht der Bayerischen Staatsregierung zur sozialen Lage in Bayern.“

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Olympiapark: Festival Spiel – Sport – Kunst

Olympiapark: Festival des Spiels, des Sports und der Kunst

Vor 50 Jahren feierte München die Spiele der XX. Olympiade. Sie bewegen die Menschen noch heute und so gibt es das ganze Jahr über ein Jubiläumsprogramm zu 50 Jahre Olympia. Zum Auftakt ging es am ersten Juli getreu dem Festivaltitel spielerisch, sportlich und künstlerisch los: Die Eröffnungsfeier in der Olympiahalle mit Oberbürgermeister Dieter Reiter, IOC-Präsident Thomas Bach und DOSB-Präsident Thomas Weikert kam ganz im Sinne der heiteren Spiele ohne steife Zeremonie aus, erinnert dennoch mit einer Schweigeminute und einem Lied an die Opfer des Olympia-Attentats.

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Inklusion rockt und rollt am 11. und 12. Juli in München

Sven und Sebastian mit ihrem Spezial-E-Bike vor dem Brandenburger Tor

Mit einer Rad-Aktion durch alle Hauptstätte der Republik werben Sven Marx und Sebastian Fietz für mehr Inklusion in der Gesellschaft. Sie legen in acht Wochen 4000 Radkilometer zurück. Die zwei sympatischen Männer setzen dabei von Anfang an ein klares Zeichen: niemals aufgeben. Sven hat nämlich einen Tumor am Gehirnstamm und ist dennoch zum Weltenbummler geworden, Sebastian ist seit dem Kindesalter blind und steht aktiv mitten im Leben. Sie sind am 11. und 12. Juli in München zu Gast mit ihrer Tour „Inklusion rockt und rollt“ und haben bereits eine Fahrt durch den Osten von Deutschland hinter sich. Am 26. Juni starteten sie in Berlin und sind am 11. Juli im Münchner Kulturzentrum LUISE Ehrengäste bei einem Inklusionsabend (Programm siehe unten).

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