Schulbegleitung für Regelschulen wird immer mehr gewünscht

Seit 2011 ist im Bayerischen Schulgesetz das Recht für alle schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen mit Behinderung verankert, einen gleichberechtigten Zugang zum Unterricht an Grundschulen und weiterführenden Schulen zu haben. Die Nachfrage zur Beschulung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung in Regelschulen steigt stark an, weiß Gudrun Keinert, die selbst drei Jahre lang als Schulbegleiterin für die Lebenshilfe München tätig war. Seit fünf Jahren koordiniert sie jetzt diesen Bereich. Aus den anfänglichen 18 Schulbegleiter*innen wurden schnell 60 Mitarbeiter*innen, die momentan insgesamt 53 Kinder und Jugendliche mit Behinderung während dem Schulbesuch begleiten und unterstützen.

Gudrun Keinert

Manche der Kinder und Jugendlichen haben auch zwei oder gar drei Schulbegleiter*innen, da einige der Mitarbeiter*innen nur tageweise arbeiten. Sie studieren nebenbei, leisten die Schulbegleitung nur als Nebenjob auf 450€-Basis oder arbeiten nach der eigenen Elternzeit erstmal nur in Teilzeit.

„Manchmal begleitet aber auch ein*e Schulbegleiter*in ein Tandem – also zwei Kinder parallel. Gerade in Förderzentren würde es sonst oftmals vorkommen, dass in einer Klasse mehr Erwachsene als Kinder sind.“ informiert Keinert, selbst Mutter zweier Kinder. Wir haben uns mit ihr unterhalten, wie sich die Situation in München darstellt und wir merken schnell, wie komplex dieses Thema der Schul- und Individualbegleitung eigentlich ist.

Die Umsetzung scheitert häufig

„Auch wenn generell ein gesetzlicher Anspruch auf den Besuch einer Regelschule besteht, so scheitert es oftmals an den zufriedenstellenden Möglichkeiten der Umsetzung. Beginnend bei der klassischen Barrierefreiheit, über die in München noch längst nicht alle Schulen verfügen, über die fehlenden Räumlichkeiten, um sich auch mal für den differenzierten Unterricht zurückzuziehen bis hin zur oftmals fehlenden Fachlichkeit im Bereich der Inklusion bei Lehr- und Fachkräften. Natürlich nicht bei allen Schulen und auch nicht bei allen Lehrern…aber leider noch viel zu oft“, stellt sie fest.

Klare Tendenz hin zur Regelschule

Der Drang zum Besuch einer Regelschule ist hoch. Er sollte in einer inklusiven Gesellschaft normal sein und Kinder in ihrer Bildung nicht benachteiligt werden. „In Schweden etwa funktioniert das deutlich besser. Die meisten Kinder und Jugendlichen besuchen das ganz normale Regelschulsystem. Dort ist es selbstverständlich, dass jede*r Schüler*in die Hilfe bekommt, die er/sie benötigt“, betont sie. In Bayern werden Grenzen dagegen nicht nur räumlich gesetzt, sondern seien systemisch begründet. „Inklusion an Regelschulen kann nur gelingen, wenn genügend Personal zur Verfügung steht (multiprofessionelle Teams als Standard!), es alle gemeinsam wollen … von der offenen Schulleitung über die fachlich geschulte Lehrkraft, den aufgeschlossenen Eltern und Mitschülern und eben oftmals mit der Unterstützung einer Schulbegleitung. Große Klassen, wechselnde Lehrkräfte, häufige Urlaubs- bzw. Krankheitsvertretungen, wechselnde Klassenzimmer – alles das sind Hindernisse für Kinder, die ein ruhiges und gewohntes Lernumfeld brauchen. Und das ist kein Sonderwunsch, sondern lediglich die Grundlage für die Umsetzung des rechtlichen Anspruchs auf Chancengleichheit.“

Ist das Schulsystem überfordert?

Vor allem bei Hospitationen an Schulen oder in Gesprächen mit Lehr- und Fachkräften wird der Pädagogin die angespannte Lage bewusst: „Übertrieben gesprochen sieht die Situation in einer ‚ganz normalen Grundschulklasse‘ im städtischen Raum etwa so aus: Es gibt immer einige ruhige, schüchterne und introvertierte Kinder, die von der Lehrkraft besonderer Aufmerksamkeit brauchen. Dann sind da ein paar wilde Rabauken, die für ordentlich Action sorgen und die besondere Aufmerksamkeit der Lehrkraft brauchen. Dann natürlich noch Kinder, die emotional und sozial belastet sind und ebenfalls nach Aufmerksamkeit verlangen. Dazu kommt der ein oder andere nicht-diagnostizierten ADHSler oder Asperger-Autist, der die besondere Aufmerksamkeit der Lehrkraft braucht.

Die Grenzen des Möglichen sind längst erreicht

Je nach Stadtteil sind da noch einige Kinder mit Migrationshintergrund und starken Defiziten in der deutschen Sprache. Und jetzt nehmen die Schulen glücklicherweise nach Möglichkeit noch traumatisierte Flüchtlingskinder auf, die ebenfalls eine besondere Betreuung durch die Lehrkraft brauchen. Das Ganze in Klassen mit 25 bis 30 Schülern und Schülerinnen und der einen Lehrkraft, die dann neben all dem ´gebraucht werden´, neben all der Elternarbeit und all den kleinen und großen Alltagsaufgaben ihrem Bildungsauftrag nachkommen muss und dann am besten noch das Kind mit Behinderung inklusiv beschulen soll. Eine Aufgabe, die in sich bereits Grenzen des Möglichen aufzeigt.“

„Das System der Schulbegleitung kann funktionieren“, ist sich Gudrun Keinert sicher. Für die Kinder und Jugendlichen, die eine Schulbegleitung zur Seite haben, ist es für das Gelingen elementar, dass sich die Zuständigkeiten von Lehrkraft und Schulbegleiter*in gut und effektiv ergänzen.

„Viele der begleiteten Kinder brauchen Unterstützung im Großen und im Kleinen. Die einen flippen schnell aus und zeigen sich und anderen gegenüber Aggressionen. Die andere üben mit der Schulbegleitung erst mal wichtige Strukturen am Arbeitsplatz ein…etwa, dass das Federmäppchen mit den Stiften richtig liegt, ebenso die Hefte und Bücher, damit sich das Kind auf den Unterricht konzentrieren kann. Manche Kinder verweigern das Schreiben, manche Kinder haben große Angst sich von zu Hause zu lösen. Die einen brauchen Unterstützung beim Bedienen der Insulinpumpe, die anderen müssen regelmäßig aus dem Klassenzimmer begleitet werden, um Auszeiten nehmen zu können. In vielen Fällen hilft die Schulbegleitung auch dabei, zwischen dem zu begleiteten Kind und den Mitschüler*innen soziale Kontakte zu knüpfen, gegenseitiges Verständnis aufzubauen und manchmal auch zu vermitteln.“

Kinder mit Sonderstellung in der Klasse

Mit dem Bündel an Assistenzleistungen nimmt das Kind darüber hinaus in der Klasse eine Sonderstellung ein. Das muss den Mitschülern vermittelt werden und auch manche Lehrkraft muss sich erst mal mit der Rolle des Schulbegleiters auseinandersetzen und manchmal auch arrangieren. „Generell entwickeln sich diese Leistungen vor allem in den Grundschulen gut“, bestätigt Keinert, „die meisten Kinder können damit gut umgehen.“ Die Probleme mehren sich ab der fünften Klasse auf Regelschulen. Dann sei häufig Mobbing und Ausgrenzung aus der Klassengemeinschaft zu beobachten. Die Schere zwischen Kindern mit und ohne Behinderung wird in diesem Alter immer deutlicher.

Es spricht einiges für die Förderschulen

„Trotz all der Unterstützung durch eine*n Schulbegleiter*in ist es in unserem Regelschulsystem mit der knappen Ausstattung an personellen Ressourcen, dem fehlenden Fachwissen, dem unflexiblen Bayerischen Lehrplan und all den anderen Stolpersteinen vielleicht sogar manchmal besser, sein Kind an einem Förderzentrum zur Schule gehen zu lassen…auch wenn das natürlich nicht dem Gedanken der Inklusion und Chancengleichheit entspricht.“

Peter Puhlmann, Vorstand und Geschäftsführer der Lebenshilfe München, hebt die positive Leistung der Schulbegleitung hervor: „Mit der Schulbegleitung der Lebenshilfe München tragen wir erfolgreich dazu bei, die erforderliche Unterstützung im motorischen, sozialen, emotionalen und kommunikativen Bereich zu gewährleisten und damit Teilhabe im inklusiven Sinne zu ermöglichen. So gelingt es ganz individuell schulische Anforderungen zu bewältigen und sich in den Klassenverband integrieren zu können. Unser Anspruch ist es dabei, eine größtmögliche Selbstständigkeit unserer Kinder und Jugendlichen zu stützen und langfristig zu erreichen.“

Gerd Spranger

Teilhabe am öffentlichen Leben ermöglichen

– Neue Webseite informiert über Barrierefreiheit –

Die Inklusion von Menschen mit Behinderung, ihre Teilhabe am gesellschaftlichen und öffentlichen Leben, ist ein Prozess über viele Jahre hinweg. In München etwa beschloss die Stadt vor zehn Jahren, in enger Zusammenarbeit mit Betroffenen, Organisationen und Vereinen, ein ganzes Maßnahmenpaket zur Verbesserung der Rahmenbedingungen, weitete es 2019 aus und will bis zum Jahr 2025 einen nächsten Aktionsplan für Menschen mit Behinderung erarbeiten. Die Stadt München hat sich dafür den Slogen „München wir inklusiv“ ins Stammbuch geschrieben. Es ist ein Prozess über Jahrzehnte hinweg und aktuell arbeitet die Landeshauptstadt an 30 Projekten, 50 wurden bereits erfolgreich umgesetzt.

Das jüngste Beispiel ist eine Website, die über die Barrierefreiheit von Kultureinrichtungen informiert. Sie nennt wichtige Details, die eben für Menschen mit acht ganz unterschiedlichen Einschränkungen von Bedeutung sind. Von Hörgeschädigten und Sehbehinderten, von Rollstuhlfahrern und Gehbehinderten, Gehörlosen und blinden Menschen bis hin zu psychisch-seelischen Behinderungen und kognitiven Einschränkungen, also Menschen mit geistiger Behinderung. Die Seite ist barrierefrei aufgebaut und nennt sich darum „kultur-barrierefrei-muenchen.de“. 250 Einrichtungen in München stellt sie vor.

Die Rathaus-Rundschau präsentiert sie im offiziellen Stadtportal der Landeshauptstadt wie folgt: „Die Website http://www.kultur-barrierefrei-muenchen.de bietet Menschen mit Behinderung Informationen rund um den Besuch von Münchner Kultureinrichtungen. Der gemeinnützige Verein KulturRaum München hat die Internetseite im Auftrag des Kulturreferats entwickelt. In enger Zusammenarbeit mit dem cbf – Club Behinderter und ihrer Freunde e.V. ist eine Informationsplattform zur Barrierefreiheit von 250 Kulturorten in der Stadt entstanden. Das Projekt ist im zweiten Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention der Stadt München verankert.“

„Kulturbesuche sind ein aufwändiges Unterfangen“

Die Lebenshilfe München wirkt von Anfang an bei der Erarbeitung und Ausgestaltung der Aktionspläne der Stadt München für Menschen mit Behinderung mit (siehe Link). Auch der Behindertenbeauftragte der Stadt München, Oswald Utz, freut sich über das neue Angebot: „Eine Kulturveranstaltung zu besuchen, ist für viele Menschen mit Behinderungen noch immer ein aufwändiges Unterfangen. Gibt es eine Toilette für Rollstuhlfahrer*innen? Hat es eine Induktionsschleife für hörgeschädigte Menschen? Dies sind nur zwei Fragen, die sich diese Personengruppe vor einer Veranstaltung stellt. Endlich gibt es auf der neuen Homepage http://www.kultur-barrierefrei-muenchen.de Antworten auf all diese Fragen. Ich danke allen, die zur Verwirklichung beigetragen haben, denn dies ist ein weiterer Schritt zu mehr Teilhabechancen.“

Ebenso äußert sich Monika Burger, Behindertenbeirätin der Stadt München: „Die Webseite http://www.kultur-barrierefrei-muenchen.de ist sehr nützlich, weil nicht nur die großen Häuser, sondern auch kleine Kulturorte für alle Behinderungsarten äußerst detailliert beschrieben werden. Die Angaben richten sich beispielsweise auch an Menschen mit psychischer Beeinträchtigung oder Lernschwierigkeiten, die oft vergessen werden. Die Formulierungen sind gut verständlich und die Webseite barrierefrei programmiert.“

Vom Februar 2015: Aktionsplan-fuer-Menschen-mit-Behinderung
Vom August 2021: UN-Behinderten-Rechtskonvention-Muenchen-zieht-Bilanz
Aus der Rathaus-Rundschau: Website-zur-Barrierefreiheit-von-Kultureinrichtungen-gestartet
Die neue Webseite: www.kultur-barrierefrei-muenchen.de

Ein Online-Treffen der Geschwisterkinder

Das Geschwisterprojekt der Lebenshilfe München und BiB e.V. beendete das Jahr 2021 aufgrund der aktuellen Situation dieses Mal wieder mit einem Online-Geschwistertreffen. Mit dabei waren dreizehn Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren. Im Fokus des Treffens stand vor allem, andere Geschwisterkinder zu treffen, der Austausch untereinander, viel Spaß zu haben, sowie das interaktive Deduktionsspiel Werwolf. Es ist bereits von früheren Präsenz-Treffen her bekannt und bewährt. 2021 war es auch bei vielen Online-Treffen erfolgreich mit dabei.

Die Online-Geschwistertreffen finden auch für die jüngeren Kinder von 7-12 Jahren statt und ermöglichen es, sich ohne Präsenz zu treffen, eben online. Damit hilft die Lebenshilfe München Kindern und Jugendlichen in Kontakt zu bleiben, Austausch und Unterstützung zu ermöglichen. Trotzdem hoffen alle gemeinsam, dass man sich bald wieder live austauschen kann und die ein oder andere Runde Werwolf miteinander spielen zu können.

Eine Fahrrad-Rikscha für die Lebenshilfe München

– ‚Aktion Mensch‘ unterstützt mit 5.000 Euro
– Weitere Spenden und ein Zuschuss der Stadt München

Vielen Menschen mit Einschränkung ihrer Mobilität sind Fahrten oder gar Ausflüge auf dem Fahrrad nicht möglich. Sie stehen häufig außen vor, wenn Freunde, ihr Verein oder ihre Gruppe einen Fahrrad-Ausflug unternehmen. Dies bedauert man bei der OBA der Lebenshilfe München schon länger, denn die Organisation und Durchführung von Freizeitaktivitäten ist das Kernanliegen der Offenen Behindertenarbeit und dabei geht es immer um Teilhabe, um die Inklusion von Menschen mit Behinderung.

Die Rikscha wartet auf ihren ersten Einsatz bei der Lebenshilfe München.

OBA-Leiter der Lebenshilfe München, Harry Zipf, freut sich darum besonders über einen Zuschuss der Aktion Mensch von 5000 Euro zum Kauf einer Fahrrad-Rikscha mit Tretunterstützung (E-Bike). Was an Geldern noch fehlte, konnte durch weitere Spenden und mit einem Programm der Stadt München zur Förderung der Elektromobilität aufgebracht werden.

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60 Jahre Lebenshilfe und ein besonderes Geschenk

Freude über 60 Jahre Lebenshilfe und über das Wandbild Permanus. Von links: der Künstler Martin Blumöhr, Geschäftsführer und Vorstand der Lebenshilfe München, Peter Puhlmann, und Münchens Alt-Oberbürgermeister Christian Ude. Fotos: Gerd Spranger – mehr in der Galerie.

Ein besonderes Geschenkt machte sich die Lebenhilfe München zu ihrem 60. Geburtstag, auch wenn eigentlich schon der 62. anstehend ist, denn 1960 gründete sich der Verein mit zwölf Eltern. So aber konnte ebenso die Einweihung eines großen Wandgemäldes, das eine ganze vierstöckige Häuserwand ziert, gefeiert werden. „Permamus“ wurde es getauft, was zu deutsch mit „von Hand zu Hand“ übersetzt werden kann. Und es wirkten viele Hände mit, insgesamt 60 Menschen mit und ohne Behinderung, alt und jung, aus der Lebenshilfe und aus der Nachbarschaft. Zu einem großen Gesamtkunstwerk fügte es der Maler Martin Blumöhr zusammen und sprach bei der Einweihung immer wieder von einer Regenbogenblume, die er als ein Zeichen von Diversität verstanden wissen will.

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UN-Behinderten-Rechtskonvention: München zieht Bilanz

Vorstand und Geschäftsführer der Lebenshilfe München, Peter Puhlmann, mit der dritten Bürgermeisterin der Landeshauptstadt München, Verena Dietl. Copyright: Michael Nagy / Presseamt München

Die Stadt München hat 2013 ein ganzes Maßnahmenpaket zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) beschlossen. 2019 wurden die Aktionspläne nochmals deutlich erweitert. Insgesamt sind bereits 47 der 81 Projekte und Maßnahmen erfolgreich umgesetzt, davon 80 Prozent aus dem ersten Aktionsplan. Die Lebenshilfe München gestaltete diesen Prozess mit.

Jetzt zog das Sozialreferat München eine Bilanz. Bürgermeisterin Verena Dietl bekräftigt: „Um die Rechte und Freiheiten von Menschen mit Behinderungen zu sichern, arbeiten Stadtverwaltung, Behindertenbeirat und der ehrenamtliche Behindertenbeauftragte Hand in Hand. Wir haben bereits große Fortschritte erzielt. In Zukunft wollen wir noch weiter an diesem wichtigen Thema arbeiten und deshalb bis spätestens 2025 einen dritten Aktionsplan auflegen.“

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Lebenshilfe-Wohnen: das Konzept dem Leben anpassen

Putzbrunn III: versatil (wandlungs-, anpassungsfähig),
um Diversität (Unterschiedlichkeit) unter einem Dach
zu ermöglichen.

In der ersten Folge hat Peter Puhlmann, Vorstand und Geschäftsführer der Lebenshilfe München, das pädagogische Konzept und Hintergründe zur geplanten neuen Wohneinrichtung der Lebenshilfe vorgestellt. Heute erläutert er die Zusammenhänge und baulichen Maßnahmen.

Putzbrunn III wird der Wohnort für Menschen mit Beeinträchtigungen unter dem Dach der Lebenshilfe München am Lebenshilfe Campus Putzbrunn sein, an welchem, durch die bauliche Konzeption, auf die verschiedenen Bedarfe in verschiedenen Lebensphasen fachlich reagiert werden kann. Eingesetzte digitale Assistenzsysteme werden in erster Linie den Mieter*innen das Leben erleichtern und mehr Sicherheit im sozialen aber auch technischen Sinne geben. Gleichzeitig fördern und unterstützen sie die Kommunikation mit Angehörigen, Dienstleistern und Freunden.

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Inklusion mit gutem Essen gestalten

Mit Spannung wurde der Start eines neuen ‚Nachbarschafts-Service‘ in München-Giesing erwartet, ein Inklusions-Projekt der Lebenshilfe München und der Nachbarschaftshilfe Giesing. Mit einem Cateringwagen – ein italienischer Ape – auf drei Rädern, gibt es unter dem Motto „Herz und Schnauze“ jetzt jeden Dienstag schnelle, gesunde, moderne und vor allem leckere Küche mit frischen Zutaten und orientalischen Gewürzen zubereitet. Zum Start gab es Falafel oder Sojageschnetzeltes für 7,90 Euro.

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Wohnen: Trotz Pandemie alle Ziele erreicht

René Pfeifer, Bereichsleiter Wohnen der Lebenshilfe München, berichtet, wie erfolgreich die Projekte im Jahr 2020 trotz aller Beschwernisse umgesetzt werden konnten.

Der Ort, an dem wir wohnen, gibt uns Kraft, er ist unser Zuhause, wo wir uns ausruhen und neu sortieren können. Für Menschen mit Behinderung ist dies besonders wichtig, da meist eine umfassende Organisation und Struktur hinter einem guten Zuhause stehen. Daran sind viele Menschen beteiligt. Ihre tägliche Arbeit ermöglicht erst einen normalen Alltag, in dem geduscht, gekocht, geplaudert oder auch gearbeitet werden kann. Besonders in diesem schwierigen Jahr, in dem wir alle viel Zeit zuhause verbracht haben, gilt den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Lebenshilfe Wohnen GmbH unser außerordentlicher Dank und unsere Anerkennung.

Neben der Herausforderung, jeden Tag ein gutes Zuhause zu bieten, entwickelt die Lebenshilfe München ihr Angebot im Bereich Wohnen stetig weiter. Nur so können immer mehr Menschen aufgenommen werden und erhalten eine ambulante oder dauerhafte Betreuung in einer besonderen, gemeinschaftlichen Wohnform. Als Ende 2019 eine Strategie für den Bereich Wohnen der Lebenshilfe München für das Folgejahr beschlossen wurde, gab es daher hohe Ziele. Viel sollte im Jahr 2020 passieren. Dass die ambitionierten Pläne in einem Jahr der Pandemie parallel zu Infektionsschutz, Kontaktbeschränkung und Quarantäne umgesetzt werden sollten, wusste damals noch niemand. Die Bilanz: trotz der Schwierigkeiten wurden alle Ziele erreicht:

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„Ein starkes inklusives Miteinander entwickeln“

Die Soziologin und Journalistin
Tatjana Viaplana stellt sich vor

Wie kamen Sie zur Lebenshilfe (Beruf/ Studium)

Tatjana Viaplana mit ihrem heute dreijährigen Sohn Lou.

Ich habe Soziologie in Freiburg studiert. Das ist eine meiner Leidenschaften: die Gesellschaft, soziale Interaktion und Organisation, Muster im Miteinander aber auch die Knackpunkte, wo solche Muster durchbrochen werden. Wo können oder müssen wir als Gesellschaft Themen oder Lebensbereiche neu aushandeln? Kontingenz bedeutet in der Soziologie soviel wie: „Es könnte auch anders sein.“ – sie gilt für unsere Wirklichkeit; also das System in dem wir leben – es könnte auch anders sein, es hätte sich anders entwickeln können. Das heißt, wir können es heute auch ändern. Weiterlesen

Inklusion und die Arbeitswelt

S A V E   T H E   D A T E  :  28.10.2020 in Aschheim bei München

Allein der Titel des Filmes ‚Utopisches vom Himmelreich‚ ist vielsagend, denn ‚da oben‘ dürfte so manches anders laufen, was wir als Erdenbürger noch als Utopie verstehen. Doch der Hintergrund des Filmes ist ein ganz irdischer. Er widmet sich nämlich der Inklusion von Menschen mit geistiger Behinderung. Es ist ein Film von Stefan Ganter und Peter Ohlendorf und eine Produktion von FilmFaktum und Ganter Film & Medien. Weiterlesen

Behindertenbeirat stellt 12 Forderungen zur Inklusion in München

Im Rollstuhl: eine ganz andere Perspektive auf ganz alltägliche Situationen. – Fotos: Behindertenbeirat München

Der Behindertenbeirat und der Behindertenbeauftragte der Landeshauptstadt München haben anlässlich der diesjährigen Kommunalwahl zwölf Forderungen zum Thema Inklusion von Menschen mit Behinderungen aufgestellt, die den Spitzenkandidat*innen der Parteien jetzt überreicht wurden. In seinen Forderungen thematisiert der Behindertenbeirat unter anderem die Barrierefreiheit städtischer Theater, Schwimmbäder und Hotels, die flächendeckende Einrichtung von „Toiletten für Alle“ in München, neue Arbeitsangebote für Menschen mit Behinderungen und Schulsozialarbeit an allen Schulen. Weiterlesen

Integration und Inklusion vorgelebt

Immer mehr junge Menschen finden Gefallen am Ehrenamt.
Viele nutzen das Engagement für eine berufliche Orientierung.
Gina Wimmer wollte 2018 im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes (BFD)
bei der Lebenshilfe München Ideen sammeln, „was sie in ihrem Leben gerne
machen möchte.“
Dabei nahm der Wunsch nach einem Lehramt in der Sonderpädagogik immer mehr Kontur an.

Die Unsicherheit war schnell überwunden

Sie hat ihre Zeit bei der Lebenshilfe München nicht bereut. Anfangs war sie unsicher was auf sie zukommt, denn im persönlichen Umfeld kannte sie lediglich einen Cousin mit Trisomie 21. Schnell aber wichen die Unsicherheiten einem unbeschwerten Umgang mit Menschen mit geistiger Behinderung. „Sie machen sich nicht so viel Gedanken über ‚Kleinigkeiten‘, um politische und gesellschaftliche Zusammenhänge, leben sehr stark aus und in dem Moment,“ betont sie. Ebenso fühlte sich Gina Wimmer nie allein gelassen, der Begleitung durch Kollegen und Fachkräfte war sie sich immer sicher. Weiterlesen

Gelungene Modernisierung der Hauptwerkstatt der Lebenshilfe Werkstatt

Am 29. November 2019 eröffnete nach zweijähriger Modernisierungszeit wieder die Hauptwerkstatt der Lebenshilfe-Werkstatt in der Scharnitzstraße. Nach über 40 Jahren Nutzung war das Werkstattgebäude in die Jahre gekommen. Infrastruktur, Elektrik und Leitungen entsprachen nicht mehr den aktuellen Anforderungen. Als zertifizierter Zulieferer der Automobilindustrie muss die Lebenshilfe Werkstatt den Ansprüchen der Kunden an moderne Produktionsumgebungen Rechnung tragen. Wichtig war auch der Erhalt des Standorts mitten im Sozialraum von München-Sendling.

20 Millionen Investition und viele Förderer

Die Band KREATIV LABOR der Stiftung Pfennigparade begleitete den Festakt musikalisch. – Fotos: Marc Müller

Bei einer Gesamtinvestition von 20 Millionen Euro (Brutto), wäre es ohne Fördergelder nicht gegangen. Vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales, dem Hauptförderer, mit einer Zuwendung von 8,4 Mill. Euro bedacht, ergänzt durch Zuschüsse vom Bezirk Oberbayern, der Bundesagentur für Arbeit, der Bayerischen Landesstiftung, der Aktion Mensch und der Heidehof Stiftung konnte am 21. August 2017 der Baubeginn erfolgen. In dieser Zeit wurden alle Werkstätten sowie die Verwaltung in Provisorien ausgelagert. Weiterlesen