MdL Claudia Köhler engagiert für die Lebenshilfe München

Z U R P E R S O N :

MdL Claudia Köhler engagiert sich für die Lebenshilfe München. Foto: Andreas Gregor

MdL Claudia Köhler ist erst seit 2014 politisch aktiv, zunächst als Gemeinderätin in Unterhaching (2014). 2018 wurde sie für die Partei Bündnis 90/Die Grünen in den Bayerischen Landtag (MdL) gewählt und seit 2020 ist sie auch im Kreistag des Landkreises München vertreten. Zuvor leitete sie als Diplom-Betriebswirtin den Bereich Marketing, Presse und Einkauf bei den Filmtheaterbetrieben Georg Reiss und war ab 1995 mit einer Agentur für Marketing, Presse, PR und Sonderveranstaltungen bis 2018 selbständig. Danach folgte ein Engagement als Pressereferentin für den Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen München und von 2013 bis 2018 übte Claudia Köhler eine nebenberufliche Tätigkeit bei der Evangelischen Kirchengemeinde Unterhaching und in der Verwaltung eines Unterhachinger Kindergartens aus. Claudia Köhler lebt in Unterhaching. Sie ist verheiratet und hat drei erwachsene Söhne. Wir haben uns mit ihr über ihr Engagement im sozialen und politischen Bereich unterhalten.

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Redaktion: Liest man ihren Lebenslauf fällt auf, dass Sie sich erst spät politisch engagierten. Basis ihrer fast 20-jährigen Selbständigkeit war ihr FH-Studium. Sie wirkten in der Evangelischen Kirchengemeinde und im Kindergarten von Unterhaching mit, sind verheiratet und Mutter dreier Söhne. Das ist eine ganze Menge und man hat den Eindruck, Sie stehen mitten im Leben, wissen von was Sie sprechen. Wie wichtig ist so viel Lebenserfahrung im politischen Alltag?

MdL Claudia Köhler: Für mich war die Lebenserfahrung im Beruf und in ehrenamtlichen Tätigkeiten ganz entscheidend dafür, in die Politik einzusteigen. Immer wieder habe ich gesehen, dass auf allen politischen Ebenen wesentliche Aufgaben nicht angegangen werden. Am meisten hat mich meine Erfahrung mit drei Schulkindern geprägt. Ich habe es als Privileg empfunden, meine Erwerbstätigkeit für die Kindererziehung zurückstellen zu können und den Kindern zu helfen. Dabei habe ich gesehen, wie viel Ungerechtigkeit im Bildungswesen herrscht und wie sehr die Startvoraussetzungen vom Elternhaus geprägt sind – eigentlich auch volkswirtschaftlich unklug. Da hab ich mich an Grüne Gemeinderätinnen gewendet. Und so ging es – zunächst auf kommunaler Ebene – los…

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Redaktion: Wenn man selbst so ‚mitten im Leben steht‘, ist man dann eher bereit, sich noch zusätzliche Engagements aufzubürden, wie etwa für die Lebenshilfe München, trotz eines übervollen Terminkalenders? Seit vielen Jahren unterstützten Sie ebenso die Münchner Kindertafel (Glockenbach), den Asylhelferkreis und die Freiwillige Feuerwehr Unterhaching, die Kirchengemeinde und die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft.

MdL Claudia Köhler: Ja, ich sehe einfach, wo es brennt, werde um Unterstützung gefragt und packe dann gerne an. Ich habe in meinem Leben viele Chancen bekommen und möchte der Gemeinschaft etwas zurück geben. Mit meinem Landtagsmandat gibt es oft zeitsparende Synergieeffekte, denn man wird als Abgeordnete ernster genommen als bloß als Ehrenamtliche. Das ist zwar traurig, aber ich setze es gerne für die gute Sache ein. Mich „erden“ meine Ehrenämter und bewahren mir den Blick ins „richtige Leben“. Daher bin ich in der Kirche, im Gemeinderat und Kreistag, im Asylhelferkreis und anderen Vereinen weiterhin ehrenamtlich aktiv. Ich bin eine Praktikerin, ich möchte wissen und ausprobieren, was an politischen Rahmensetzungen – sowohl auf kommunaler als auch auf Landesebene – funktioniert und wo nachgebessert werden muss.

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Redaktion: Gerne appelliert die Politik an das Engagement und Ehrenamt in der Bevölkerung, und gleichzeitig sinkt die Bereitschaft etwa in Vereinen eine verantwortliche und längerfristige Funktion zu besetzen. Hindert eine ausufernde Freizeitgesellschaft daran oder ist es der berufliche und private Druck unter dem wir alle stehen?

MdL Claudia Köhler: Sinkt die Bereitschaft wirklich oder ändert sich nur die Art des Engagements? Ich glaube, dass sich die Menschen nicht mehr so dauerhaft binden wollen und in Zeiten wie diesen auch nicht mehr können. Aber die Bereitschaft von ganz vielen, punktuell mitzuhelfen, ist auf jeden Fall vorhanden. Das hat man gut bei den Aufräumarbeiten im Ahrtal oder bei den Welcome-Centern für die Ukraine-Geflüchteten gesehen – da gab es Tausende Freiwillige, die sofort angepackt haben. Der berufliche Druck spielt sicher eine Rolle, aber auch der finanzielle Druck, die Miete und Lebenshaltung mit einem weiteren Job statt Freizeit oder Ehrenamt zu sichern, ist enorm.

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Redaktion: Organisationen wir die Lebenshilfe München sind auf das Ehrenamt angewiesen, denn vor allem im Bereich der Offenen Behindertenarbeit gibt es dafür ein breites Spektrum wie etwa: Kurse und Freizeitangebote, Ausflüge und der Besuch von Museen oder anderer Einrichtungen, bei Sportveranstaltungen, Freizeitclubs oder im privaten Umfeld.

MdL Claudia Köhler: Schon lange werben wir Grüne für eine Anerkennung des Ehrenamts, um Berücksichtigung bei der Rente, um Unterstützung für die Zahlung von Ehrenamtspauschalen etc.. Die demografische Entwicklung wird es weiter erschweren; denn viele der jetzt aktiven ehrenamtlichen Senior*innen werden in 10 bis 20 Jahren nicht mehr das leisten können, was sie derzeit leisten und es kommen weniger Jüngere nach.

Ein großer Punkt ist aber, dass immer mehr Aufgaben von Ehrenamtlichen übernommen werden müssen, für die der Staat originär zuständig wäre: Das fängt beim Lesen-Lernen kleiner Kinder an und hört bei der Betreuung von Senior*innen und Hilfe bei der Teilhabe für Menschen mit Behinderungen noch lange nicht auf. Hier braucht es viel mehr staatliche Weichenstellung, Infrastruktur und Finanzierung anstatt die Probleme einfach den Bürger*innen zu überlassen.

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Redaktion: Vielleicht kommt ihr politischer Einfluss besonders zur Geltung, blickt man auf die Gesamtstruktur der Lebenshilfe München. Es geht um Teilhabe, um das Wohnen, um Selbstbestimmung und das Leben ganz allgemein, von der Frühförderung bis zum Rentenalter.

MdL Claudia Köhler: Ja, gerade als stellvertretende Vorsitzende im Haushaltsausschuss sehe ich die Fäden beim Geld zusammenlaufen. Manches gehört in den Bildungsetat, manches ins Bauministerium, manches ins Sozialministerium oder beim Hochschuletat – auch Mobilitätsangebote spielen für Teilhabe eine große Rolle. Und sehr oft würden rechtzeitige Investitionen an der richtigen Stelle viel Geld sparen, ganz besonders im Bildungsetat.

Ich sehe meine Aufgabe darin, in jedem Bereich die Notwendigkeiten für ALLE Menschen mitzudenken und ganz besonders für diejenigen, die zu wenig gesehen und gehört werden, z.B. Menschen mit Einschränkungen. Zudem kann ich als Politikerin mit vielen Kontakten gut vernetzen und wichtige Akteur*innen zusammenbringen. So helfe ich weiterhin bei der Arbeitssuche für Geflüchtete, bei bürokratischen Absurditäten und angesichts der vielen fehlenden HPT-Plätze bei der Suche nach Grundstücken.

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Redaktion: Sie selbst sind im reichen Speckgürtel von München großgeworden und leben bis heute dort. Gerade hier ist der ÖPNV seit 50 Jahren vorbildlich ausgebaut und es gibt viel mehr Möglichkeiten für Menschen mit Behinderung, als etwa ‚auf dem Land‘. Dennoch haben Sie bei ihrem Sommertreffen (im Juli) mit der Lebenshilfe im Bayerischen Landtag vom „Debakel bei der zweiten Stammstrecke“ gesprochen und ebenso den Fachkräftemangel thematisiert. Es wird hier keine schnellen Lösungen geben, oder was macht Ihnen da Hoffnung?

MdL Claudia Köhler: Der ÖPNV wurde nicht SEIT 50 Jahren vorbildlich ausgebaut, sondern VOR 50 Jahren. Das Angebot ist bei weitem nicht ausreichend mit der Großstadt und dem Ballungsraum und den wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen mitgewachsen. Bei der zweiten Stammstrecke kann es keine schnellen Lösungen geben, gerade erst wurden von den Verantwortlichen alle Zeitpläne entgegen der Zusagen weit nach hinten verschoben – und das zu Milliarden von Kosten. Wir brauchen aber sofort Ertüchtigung der bestehenden Infrastruktur, überall Barrierefreiheit und Verknüpfungen der bestehenden ÖPNV-Angebote sowie ein besseres Angebot auch für ländliche Regionen. Barrierefreiheit ist im ÖPNV bei weitem nicht erreicht.

Und ja, der Fachkräftemangel war lange absehbar, aber es wurde von der Staatsregierung weder mit der Bildungspolitik, noch mit Ausbildungsprogrammen rechtzeitig reagiert. Der Lehrkräftemangel war kein Geheimnis.

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Redaktion: In München gibt es eine breite Bewegung unter dem Leitwort „München wird inklusiv“ mit angeschlossenem Koordinierungsbüro bei der Stadtverwaltung. Viele Vereine und Beteiligte wirken zusammen, um das Umfeld für Menschen mit Behinderung zu verbessern. Was gefällt Ihnen daran besonderes und wo sehen Sie noch Handlungsbedarf?

MdL Claudia Köhler: Mir gefällt, dass das Thema Inklusion mit solchen Bewegungen und Initiativen in den Fokus genommen und dafür geworben wird. Allerdings braucht es auch die Umsetzung von Maßnahmen und dafür das nötige Geld. Solange wir noch drüber reden müssen und nicht per se ausreichend barrierefreie Wohnungen vorhanden und jedes öffentliche Gebäude, jeder Bahnhof, jede Toilette und jedes Fest barrierefrei erreichbar ist, solange nicht jedes Kind einen HPT- oder inklusiven Betreuungsplatz hat, gibt es noch viel Handlungsbedarf.

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Redaktion: Zum Schluss: Was fällt Ihnen spontan beim Stichwort Inklusion ein?

MdL Claudia Köhler: Wir sprechen viel von Inklusion, aber Inklusion im Alltag muss endlich selbstverständlich werden – was im Übrigen längst gesetzlich vorgeschrieben wäre. Kinder und Jugendliche machen weniger Unterschiede als die Erwachsenen, wenn man sie unterstützt und ganz normal – eben inklusiv – alle Menschen mitdenkt und mitlebt. Dazu braucht es aber beispielsweise in den Kitas und in den Schulen genügend Fachpersonal und inklusive Gebäude, die niemanden ausschließen. Im Gegensatz zu den Kindern denken Erwachsene meistens ans Geld und an kurzfristige Kosten anstatt an Teilhabe. Wir sollten uns ein Beispiel an unseren Kindern nehmen, denn es lohnt sich. Alles andere ist ungerecht.

Vielen Dank für das Gespräch. Interview: Gerd Spranger

Inklusion rockt und rollt am 11. und 12. Juli in München

Sven und Sebastian mit ihrem Spezial-E-Bike vor dem Brandenburger Tor

Mit einer Rad-Aktion durch alle Hauptstätte der Republik werben Sven Marx und Sebastian Fietz für mehr Inklusion in der Gesellschaft. Sie legen in acht Wochen 4000 Radkilometer zurück. Die zwei sympatischen Männer setzen dabei von Anfang an ein klares Zeichen: niemals aufgeben. Sven hat nämlich einen Tumor am Gehirnstamm und ist dennoch zum Weltenbummler geworden, Sebastian ist seit dem Kindesalter blind und steht aktiv mitten im Leben. Sie sind am 11. und 12. Juli in München zu Gast mit ihrer Tour „Inklusion rockt und rollt“ und haben bereits eine Fahrt durch den Osten von Deutschland hinter sich. Am 26. Juni starteten sie in Berlin und sind am 11. Juli im Münchner Kulturzentrum LUISE Ehrengäste bei einem Inklusionsabend (Programm siehe unten).

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Zentrale Forderungen der Lebenshilfe an die Politik

Parlamentarischer Abend: im Gespräch miteinander bleiben
– Aus dem Newsletter der Bundesvereinigung Lebenshilfe –

Um das Leben und den Alltag von Menschen mit Behinderung zu verbessern, sind die eigenständigen Lebenshilfen, meist auf Landkreisebene als Vereine eingetragen, in der Bundesvereinigung Lebenshilfe organisiert. Unter ihrem Dach sind 491 Orts- und Kreisvereinigungen und 16 Landesverbände, die alle jeweils rechtlich eigenständig sind, zusammengeschlossen. Einmal jährlich wird zu einem parlamentarischen Abend eingeladen, um auf hoher politischer Ebene die Anliegen an die Frau oder den Mann zu bringen. 2022 wählte die Bundesvereinigung der Lebenshilfe das Thema „Familien von Menschen mit Behinderung stärken!“.

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Schulbegleitung für Regelschulen wird immer mehr gewünscht

Seit 2011 ist im Bayerischen Schulgesetz das Recht für alle schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen mit Behinderung verankert, einen gleichberechtigten Zugang zum Unterricht an Grundschulen und weiterführenden Schulen zu haben. Die Nachfrage zur Beschulung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung in Regelschulen steigt stark an, weiß Gudrun Keinert, die selbst drei Jahre lang als Schulbegleiterin für die Lebenshilfe München tätig war. Seit fünf Jahren koordiniert sie jetzt diesen Bereich. Aus den anfänglichen 18 Schulbegleiter*innen wurden schnell 60 Mitarbeiter*innen, die momentan insgesamt 53 Kinder und Jugendliche mit Behinderung während dem Schulbesuch begleiten und unterstützen.

Gudrun Keinert

Manche der Kinder und Jugendlichen haben auch zwei oder gar drei Schulbegleiter*innen, da einige der Mitarbeiter*innen nur tageweise arbeiten. Sie studieren nebenbei, leisten die Schulbegleitung nur als Nebenjob auf 450€-Basis oder arbeiten nach der eigenen Elternzeit erstmal nur in Teilzeit.

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Teilhabe am öffentlichen Leben ermöglichen

– Neue Webseite informiert über Barrierefreiheit –

Die Inklusion von Menschen mit Behinderung, ihre Teilhabe am gesellschaftlichen und öffentlichen Leben, ist ein Prozess über viele Jahre hinweg. In München etwa beschloss die Stadt vor zehn Jahren, in enger Zusammenarbeit mit Betroffenen, Organisationen und Vereinen, ein ganzes Maßnahmenpaket zur Verbesserung der Rahmenbedingungen, weitete es 2019 aus und will bis zum Jahr 2025 einen nächsten Aktionsplan für Menschen mit Behinderung erarbeiten. Die Stadt München hat sich dafür den Slogen „München wir inklusiv“ ins Stammbuch geschrieben. Es ist ein Prozess über Jahrzehnte hinweg und aktuell arbeitet die Landeshauptstadt an 30 Projekten, 50 wurden bereits erfolgreich umgesetzt.

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Ein Online-Treffen der Geschwisterkinder

Das Geschwisterprojekt der Lebenshilfe München und BiB e.V. beendete das Jahr 2021 aufgrund der aktuellen Situation dieses Mal wieder mit einem Online-Geschwistertreffen. Mit dabei waren dreizehn Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren. Im Fokus des Treffens stand vor allem, andere Geschwisterkinder zu treffen, der Austausch untereinander, viel Spaß zu haben, sowie das interaktive Deduktionsspiel Werwolf. Es ist bereits von früheren Präsenz-Treffen her bekannt und bewährt. 2021 war es auch bei vielen Online-Treffen erfolgreich mit dabei.

Die Online-Geschwistertreffen finden auch für die jüngeren Kinder von 7-12 Jahren statt und ermöglichen es, sich ohne Präsenz zu treffen, eben online. Damit hilft die Lebenshilfe München Kindern und Jugendlichen in Kontakt zu bleiben, Austausch und Unterstützung zu ermöglichen. Trotzdem hoffen alle gemeinsam, dass man sich bald wieder live austauschen kann und die ein oder andere Runde Werwolf miteinander spielen zu können.

Eine Fahrrad-Rikscha für die Lebenshilfe München

– ‚Aktion Mensch‘ unterstützt mit 5.000 Euro
– Weitere Spenden und ein Zuschuss der Stadt München

Vielen Menschen mit Einschränkung ihrer Mobilität sind Fahrten oder gar Ausflüge auf dem Fahrrad nicht möglich. Sie stehen häufig außen vor, wenn Freunde, ihr Verein oder ihre Gruppe einen Fahrrad-Ausflug unternehmen. Dies bedauert man bei der OBA der Lebenshilfe München schon länger, denn die Organisation und Durchführung von Freizeitaktivitäten ist das Kernanliegen der Offenen Behindertenarbeit und dabei geht es immer um Teilhabe, um die Inklusion von Menschen mit Behinderung.

Die Rikscha wartet auf ihren ersten Einsatz bei der Lebenshilfe München.

OBA-Leiter der Lebenshilfe München, Harry Zipf, freut sich darum besonders über einen Zuschuss der Aktion Mensch von 5000 Euro zum Kauf einer Fahrrad-Rikscha mit Tretunterstützung (E-Bike). Was an Geldern noch fehlte, konnte durch weitere Spenden und mit einem Programm der Stadt München zur Förderung der Elektromobilität aufgebracht werden.

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60 Jahre Lebenshilfe und ein besonderes Geschenk

Freude über 60 Jahre Lebenshilfe und über das Wandbild Permanus. Von links: der Künstler Martin Blumöhr, Geschäftsführer und Vorstand der Lebenshilfe München, Peter Puhlmann, und Münchens Alt-Oberbürgermeister Christian Ude. Fotos: Gerd Spranger – mehr in der Galerie.

Ein besonderes Geschenkt machte sich die Lebenhilfe München zu ihrem 60. Geburtstag, auch wenn eigentlich schon der 62. anstehend ist, denn 1960 gründete sich der Verein mit zwölf Eltern. So aber konnte ebenso die Einweihung eines großen Wandgemäldes, das eine ganze vierstöckige Häuserwand ziert, gefeiert werden. „Permamus“ wurde es getauft, was zu deutsch mit „von Hand zu Hand“ übersetzt werden kann. Und es wirkten viele Hände mit, insgesamt 60 Menschen mit und ohne Behinderung, alt und jung, aus der Lebenshilfe und aus der Nachbarschaft. Zu einem großen Gesamtkunstwerk fügte es der Maler Martin Blumöhr zusammen und sprach bei der Einweihung immer wieder von einer Regenbogenblume, die er als ein Zeichen von Diversität verstanden wissen will.

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UN-Behinderten-Rechtskonvention: München zieht Bilanz

Vorstand und Geschäftsführer der Lebenshilfe München, Peter Puhlmann, mit der dritten Bürgermeisterin der Landeshauptstadt München, Verena Dietl. Copyright: Michael Nagy / Presseamt München

Die Stadt München hat 2013 ein ganzes Maßnahmenpaket zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) beschlossen. 2019 wurden die Aktionspläne nochmals deutlich erweitert. Insgesamt sind bereits 47 der 81 Projekte und Maßnahmen erfolgreich umgesetzt, davon 80 Prozent aus dem ersten Aktionsplan. Die Lebenshilfe München gestaltete diesen Prozess mit.

Jetzt zog das Sozialreferat München eine Bilanz. Bürgermeisterin Verena Dietl bekräftigt: „Um die Rechte und Freiheiten von Menschen mit Behinderungen zu sichern, arbeiten Stadtverwaltung, Behindertenbeirat und der ehrenamtliche Behindertenbeauftragte Hand in Hand. Wir haben bereits große Fortschritte erzielt. In Zukunft wollen wir noch weiter an diesem wichtigen Thema arbeiten und deshalb bis spätestens 2025 einen dritten Aktionsplan auflegen.“

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Lebenshilfe-Wohnen: das Konzept dem Leben anpassen

Putzbrunn III: versatil (wandlungs-, anpassungsfähig),
um Diversität (Unterschiedlichkeit) unter einem Dach
zu ermöglichen.

In der ersten Folge hat Peter Puhlmann, Vorstand und Geschäftsführer der Lebenshilfe München, das pädagogische Konzept und Hintergründe zur geplanten neuen Wohneinrichtung der Lebenshilfe vorgestellt. Heute erläutert er die Zusammenhänge und baulichen Maßnahmen.

Putzbrunn III wird der Wohnort für Menschen mit Beeinträchtigungen unter dem Dach der Lebenshilfe München am Lebenshilfe Campus Putzbrunn sein, an welchem, durch die bauliche Konzeption, auf die verschiedenen Bedarfe in verschiedenen Lebensphasen fachlich reagiert werden kann. Eingesetzte digitale Assistenzsysteme werden in erster Linie den Mieter*innen das Leben erleichtern und mehr Sicherheit im sozialen aber auch technischen Sinne geben. Gleichzeitig fördern und unterstützen sie die Kommunikation mit Angehörigen, Dienstleistern und Freunden.

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Inklusion mit gutem Essen gestalten

Mit Spannung wurde der Start eines neuen ‚Nachbarschafts-Service‘ in München-Giesing erwartet, ein Inklusions-Projekt der Lebenshilfe München und der Nachbarschaftshilfe Giesing. Mit einem Cateringwagen – ein italienischer Ape – auf drei Rädern, gibt es unter dem Motto „Herz und Schnauze“ jetzt jeden Dienstag schnelle, gesunde, moderne und vor allem leckere Küche mit frischen Zutaten und orientalischen Gewürzen zubereitet. Zum Start gab es Falafel oder Sojageschnetzeltes für 7,90 Euro.

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Wohnen: Trotz Pandemie alle Ziele erreicht

René Pfeifer, Bereichsleiter Wohnen der Lebenshilfe München, berichtet, wie erfolgreich die Projekte im Jahr 2020 trotz aller Beschwernisse umgesetzt werden konnten.

Der Ort, an dem wir wohnen, gibt uns Kraft, er ist unser Zuhause, wo wir uns ausruhen und neu sortieren können. Für Menschen mit Behinderung ist dies besonders wichtig, da meist eine umfassende Organisation und Struktur hinter einem guten Zuhause stehen. Daran sind viele Menschen beteiligt. Ihre tägliche Arbeit ermöglicht erst einen normalen Alltag, in dem geduscht, gekocht, geplaudert oder auch gearbeitet werden kann. Besonders in diesem schwierigen Jahr, in dem wir alle viel Zeit zuhause verbracht haben, gilt den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Lebenshilfe Wohnen GmbH unser außerordentlicher Dank und unsere Anerkennung.

Neben der Herausforderung, jeden Tag ein gutes Zuhause zu bieten, entwickelt die Lebenshilfe München ihr Angebot im Bereich Wohnen stetig weiter. Nur so können immer mehr Menschen aufgenommen werden und erhalten eine ambulante oder dauerhafte Betreuung in einer besonderen, gemeinschaftlichen Wohnform. Als Ende 2019 eine Strategie für den Bereich Wohnen der Lebenshilfe München für das Folgejahr beschlossen wurde, gab es daher hohe Ziele. Viel sollte im Jahr 2020 passieren. Dass die ambitionierten Pläne in einem Jahr der Pandemie parallel zu Infektionsschutz, Kontaktbeschränkung und Quarantäne umgesetzt werden sollten, wusste damals noch niemand. Die Bilanz: trotz der Schwierigkeiten wurden alle Ziele erreicht:

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„Ein starkes inklusives Miteinander entwickeln“

Die Soziologin und Journalistin
Tatjana Viaplana stellt sich vor

Wie kamen Sie zur Lebenshilfe (Beruf/ Studium)

Tatjana Viaplana mit ihrem heute dreijährigen Sohn Lou.

Ich habe Soziologie in Freiburg studiert. Das ist eine meiner Leidenschaften: die Gesellschaft, soziale Interaktion und Organisation, Muster im Miteinander aber auch die Knackpunkte, wo solche Muster durchbrochen werden. Wo können oder müssen wir als Gesellschaft Themen oder Lebensbereiche neu aushandeln? Kontingenz bedeutet in der Soziologie soviel wie: „Es könnte auch anders sein.“ – sie gilt für unsere Wirklichkeit; also das System in dem wir leben – es könnte auch anders sein, es hätte sich anders entwickeln können. Das heißt, wir können es heute auch ändern. Weiterlesen

Inklusion und die Arbeitswelt

S A V E   T H E   D A T E  :  28.10.2020 in Aschheim bei München

Allein der Titel des Filmes ‚Utopisches vom Himmelreich‚ ist vielsagend, denn ‚da oben‘ dürfte so manches anders laufen, was wir als Erdenbürger noch als Utopie verstehen. Doch der Hintergrund des Filmes ist ein ganz irdischer. Er widmet sich nämlich der Inklusion von Menschen mit geistiger Behinderung. Es ist ein Film von Stefan Ganter und Peter Ohlendorf und eine Produktion von FilmFaktum und Ganter Film & Medien. Weiterlesen