Abschied von Gerlinde Engelmann

Abschied von Gerlinde Engelmann, Ehrenvorsitzende der Lebenshilfe München

Gerlinde Engelmann, geb. Klee, wurde am 8. Mai 1936 in Doberseik (heute: Dobřečov), heutiges Tschechien, geboren. Die Fremdsprachenkorrespondentin engagierte sich ab 1967 bei der Lebenshilfe München zunächst als Mitglied und ab 1976 im Vorstand, dessen Vorsitzende sie von 1983 bis 1996 war. Bereits 1972 hatte sie die damals so genannte Elternberatung gegründet (heute Angehörigenberatung), in der sie auch noch lange Jahre nach dem Ausscheiden aus ihren übrigen Ämtern ehrenamtlich tätig war. Die Elternberatung sah sie als die ureigene Aufgabe der Lebenshilfe, einem Selbsthilfeverein. Ihr Anspruch war: „Man muss sich auskennen, um zu helfen.“

Gerlinde Engelmann engagierte sich bis ins hohe Alter für die Lebenshilfe München
Gerlinde Engelmann engagierte sich bis ins hohe Alter für die Lebenshilfe München

Am 4. April 2022 verstarb Gerlinde Engelmann in München. Sie wird vor allem ihrem Ehemann, Herwig Engelmann, den drei gemeinsamen Kindern, den Enkeln und der Urenkelin sehr fehlen.

Beratung und Austausch

Die Tatsache, dass ihre älteste Tochter mit einer geistigen Behinderung geboren wurde, war für Gerlinde Engelmann der wichtigste Antrieb, zu einer unermüdlichen Vorkämpferin für die Rechte ihrer Tochter sowie anderer Menschen mit einer geistigen Behinderung und zu einer erfolgreichen Vertreterin der Lebenshilfe München zu werden. Dabei lag ihr insbesondere die Beratung und Unterstützung anderer Eltern in Stadt und Landkreis München am Herzen. Auch pflegte sie internationale Kontakte zu Elternorganisationen in Israel, Saudi-Arabien, Neuseeland, Australien, Rumänien, Österreich, Italien, Niederlande und Luxemburg.

Bemerkenswert fortschrittlich war ihr Respekt vor den Wünschen der Menschen mit geistiger Behinderung. Möglichst allen Menschen selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, auch wenn es dazu „Mut zum Risiko“ braucht, dafür setzte sie sich unermüdlich ein. Mit dieser Haltung hat sie in ihrer aktiven Zeit immer alle beeindruckt und beeinflusst! Heute sehen wir ihre Einstellung als selbstverständlich an.

„Sie hat uns Eltern den Weg durch den Behördendschungel gezeigt, uns das Annehmen der Herausforderung erleichtert und so einen positiven Weg gewiesen, mit dem behinderten Kind selbstbewusster und auch kämpferischer zu gehen. Ich vergesse nie ihre Vorträge für die Eltern als die Pflegeversicherung eingeführt wurde. Sie setzte durch, dass für unseren Personenkreis nicht nur die Zeit für die reine Pflege, sondern auch die Beaufsichtigung angerechnet wurde.“, erinnert sich Bärbel Popp, ehemalige Vorstandsvorsitzende, an ihre Vorgängerin.

Ausgezeichnetes Engagement

Gerlinde Engelmann nutzte ihre zupackende, humorvolle und warmherzige Art, ihre Durchsetzungskraft und ihre Fähigkeit, druckreif zu formulieren, um sich in jedem Zusammenhang für Menschen mit geistiger Behinderung einzusetzen. So wurde ihr Rat in immer mehr Gremien der Lebenshilfe, in einschlägigen Arbeitsgemeinschaften des bayerischen Sozialministeriums wie auch beim Bezirk Oberbayern in Anspruch genommen.

Sie war von 1977 bis 1983 auch Mitglied des Landesvorstandes der Lebenshilfe Bayern und ist seit 1992 Ehrenringträgerin des Landkreises München. Ebenso engagierte sie sich auf Bundesebene unter anderem als bayerische Vertreterin im Bundeselternrat der Lebenshilfe. 1996 wurde Gerlinde Engelmann für ihren jahrzehntelangen gesellschaftlichen Einsatz mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Im selben Jahr erhielt sie auch die Goldene Ehrennadel der Lebenshilfe. 2002 wurde ihr Engagement mit dem bayerischen Verdienstorden gewürdigt.

Enge Verbundenheit mit ihrem Verein

Es war schön, dass sie uns als Ehrenvorsitzende bis zuletzt eng verbunden blieb, sogar noch unser 60-jähriges Jubiläum mitfeierte und bei der Einweihung unseres Kunstprojektes „Permanus“ im September 2021 anwesend war.

Trauer und Dankbarkeit

Wir trauern mit ihrer Familie und allen Weggefährten und sind dankbar für die gemeinsame Zeit bei der Lebenshilfe München. Sie hat unseren höchsten Respekt für ihr Lebenswerk, wir werden immer gerne an sie denken.

Den Hinterbliebenen sprechen wir unser tiefempfundenes Mitgefühl aus.

Im Namen aller Mitglieder
Andrea Siemen
Aufsichtsratsvorsitzende