Ambulante Pflege ist sehr gefragt es fehlen aber Fachkräfte

Christine-Wiesenthal-Moser

Die Nachfrage nach ambulanter Pflege ist durch die Corona-Pandemie gestiegen, bemerkt Christine Wiesenthal-Moser, Leiterin des ‚Ambulanten Pflegedienstes‘ der Lebenshilfe München. Sie war lange vor der Pandemie bereits Leiterin einer Wohneinrichtung des Elternvereins und führte bis 2019 den Ambulanten Pflegedienst (APD). Nach zweimaliger Babypause, ihre Kinder sind heute zwei und fünf Jahre alt, kehrte sie im Herbst 2021 erneut in ihren Beruf als Leiterin des APD der Lebenshilfe zurück. Sie hat also einen direkten Vergleich der Situation vor und während der Pandemie „und sie ist nicht besser geworden“, bedauert sie. Der Mangel an Fachkräften habe zugenommen und die Nachfrage sei weiter gestiegen. Ohne Probleme könnten bei der Lebenshilfe München innerhalb eines halben Jahres vier Pflegekräfte beschäftigt werden, doch trotz intensiver Bemühungen auf dem Arbeitsmarkt bleiben selbst Bewerbungen aus.

„Und das, obwohl wir im Vergleich zu ähnlichen Einrichtungen gut bezahlen, nämlich nach Tarif mit Zulagen. Insgesamt aber ist das Lohnniveau bei den pflegenden Berufen viel zu niedrig angesetzt. Wir tragen mit unserer Tätigkeit eine hohe Verantwortung und müssen uns laufend weiterbilden. Dazu ist die Arbeit sowohl körperlich wie psychisch nicht ganz einfach. Es ist längst eine deutliche Anhebung der Gehälter nötig. Die Politik hat es auch versprochen, doch bis heute nicht gehalten. Letztlich bekommen es dann gerade jene zu spüren, die auf Hilfe angewiesen sind, sie aber nicht bekommen, weil ganz einfach Fachkräfte fehlen“, bedauert sie.

Die Hilfe selbst organisieren

Einen zweiten Trend bemerkt Christine Wiesenthal-Moser: „Die Menschen neigen heute viel stärker dazu, ihre Angehörigen zuhause zu versorgen und die Hilfe selbst zu organisieren“, erzählt die Leiterin des Ambulanten Pflegedienstes. Sie führt es auf ein gewachsenes Misstrauen gegenüber Einrichtungen wie Seniorenheime oder selbst Krankenhäuser zurück. „Alte und schwer behinderte Menschen wurden massiv von ihren Angehörigen abgeschottet. Manche von ihnen verstarben einsam, was der Unsicherheit in der Pandemie geschuldet war und nach neuen Maßnahmen verlangte. Das hinterlässt Spuren. Spuren, die wir heute in vielen Gesprächen und Beratungen bemerken.“

Das Umfeld im Blick behalten

Selbst habe sie in der intensiven Zeit mit ihren zwei kleinen Kindern gelernt wieder genauer hinzusehen. „Heute sehe ich das familiäre Umfeld der zu betreuenden Menschen viel stärker. Sie leiden selbst unter Ängsten und Sorgen. Etwa weil sie selbst bereits älter sind oder auch gesundheitlich an ihre Grenzen stoßen. Es steckt immer die Sorge dahinter, für ihre Angehörigen die Hilfe nicht mehr im nötigen Umfang leisten zu können. Deswegen werden wir schließlich ja auch kontaktiert.“

Dabei ist die Klientel des Ambulanten Dienstes (APD) der Lebenshilfe München gemischt durch alle Altersgruppen hindurch, jedoch sind es in der Regel Menschen mit Behinderung die betreut werden. „Auch in unseren Einrichtungen des gemeinschaftlichen Wohnens, vor allem im ambulant betreuten Wohnen, sind wir im Einsatz“, so die Pflegefachkraft, die noch den klassischen Berufsweg von der Gesundheits- und Krankenpflegerin mit anschließender Weiterbildung zur Stationsleiterin bis zur Pflegedienstleitung und Einrichtungsleiterin durchlaufen hat. „Wir unterstützen bei der Körperpflege, hauswirtschaftlichen Tätigkeiten und begleiten, wenn Betreuung nötig ist.

Lebenshilfe für alle Bereiche

So wie der APD bei der Betreuung in den ambulanten Wohneinrichtungen der Lebenshilfe München unterstützt, hilft der FuD (Familien unterstützende Dienst) vor Ort, wenn über die zu leistende Pflege hinaus weitere Hilfe nötig ist. „Auch beraten wir pflegende Angehörige, denn es ist nicht für alle ersichtlich, welche Leistungen sie abrufen können und was ihnen zusteht.“ Dabei macht sie vor allem mit jungen Eltern und pflegende Angehörige sehr positive Erfahrungen.

„Die Jungen sind meist gut informiert, fragen gezielt nach und kennen ihre Rechte. Sie sind über die sozialen Medien vernetzt und da werden dann schon mal gezielt komplexe Themen abgefragt. Darum ist es für uns enorm wichtig, immer die neuesten Bestimmungen zu kennen. Ein großer Bereich sind etwa aktuelle Bedingungen des BTHG (Bundes-Teilhabegesetz) wie „Assistenzleistungen“ und aus dem Bereich „Hilfe zur Pflege“ wie häusliche Pflegeleistungen, Pflegehilfsmittel, Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfeldes und weitere Unterstützungsformen. Wir legen darum Wert darauf, die pflegenden Angehörigen zu informieren und bieten regelmäßig Schulungen zu den einschlägigen Themen an. Eine zentrale Rolle dabei spielt die Angehörigenberatung der Lebenshilfe München.

Pflege ist vielseitig und flexibel

Christine Wiesenthal-Moser ist von der Attraktivität des Berufes überzeugt. „Es ist ein selbständiges Arbeiten, ein Dienstwagen für die Einsätze wird gestellt und die Zeiteinteilung ist weitgehend flexibel. Eine Teilzeitarbeit kommt vor allem Müttern zugute, die sich in der Regel noch um den Haushalt und die Kinder kümmern müssen. Oder auch jungen Menschen ganz allgemein, die sich etwa beruflich weiter qualifizieren möchten.“

Sie interessieren sich für den Beruf und die Arbeit bei der Lebenshilfe München?
Dann finden Sie in der Ausschreibung weitere Informationen unter:
https://jobs.lebenshilfen-oberbayern.de/job/gesundheits-und-krankenpfleger-pflegefachkraft-altenpfleger-m-w-d-2/

Die Karriere bei der Lebenshilfe München startete Christine Wiesenthal-Moser bereits 2014.
Lesen Sie mehr:
https://lebenshilfeblog.de/2014/11/04/neue-leitung-in-putzbrunn/

Lebenshilfe fordert: Keine Kürzung für flexible Hilfen für pflegende Angehörige

– Am 12. Mai ist der internationale Tag der Pflege –

Eine deutlichen Appell richtet die Lebenshilfe Bayern zum Tag der Pflege am 12. Mai an die Politik. Sie bekräftigt die Forderung nach flexibler Hilfe für pflegende Angehörige. Barbara Stamm, Vorsitzende der Lebenshilfe-Bayern, begrüßt darum die Online-Petition ´Verhinderungspflege muss flexibel bleiben` ausdrücklich. Die Petition wurde im April vom Netzwerk für Senioren-Assistenz aus dem Kreis Plön bei Kiel gestartet. Sie hat mit über 50.000 Stimmen das Quorum für eine Eingabe in den Petitionsausschuss des Bundestags erreicht.

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Durchbruch beim Impfen für pflegende Angehörige

Große Erleichtern gab es bei vielen Eltern von Menschen mit Behinderung, als sich ihnen eine Tür für eine schnelle Impfung öffnete. Grund war die neue Fassung der Corona-Impfverordnung vom 10. März 2021. Sie misst Angehörigen von pflegebedürftigen Kindern und Erwachsenen nun die höchste Priorität zu (§ 2 Abs. 1 Nr. 3 ImpfVO). „Das ergibt sich nicht direkt aus dem Wortlaut, aber aus der Verordnungsbegründung“, erläutert Beate Bettenhausen von der Angehörigenberatung der Lebenshilfe München.

Sie hat in einem Rundschreiben (Text siehe unten) über den Familienunterstützenden Dienst (FuD) der Lebenshilfe Eltern, Angehörige und Betroffene informiert. Wie wichtig die Möglichkeit einer schnellen Impfung ist, erläutert sie jüngst in unserem Gespräch.

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Barbara Stamm beim Presseclub

AUS DEM NEWSLETTER DER LEBENSHILFE MÜNCHEN

TERMIN.
Montag 30.11. um 11 Uhr

Das Pressegespräch steht unter dem Zeichen: „Brennpunkt häusliche Pflege: Der größte Pflegedienst Deutschlands schlägt Alarm“.

 

Hintergrund: Gemeinsam mit der Vorsitzenden des Amberger Vereins Pflegende Angehörige, Kornelia Schmid, und dem Vorsitzenden des Münchner Vereins deinNachbar e.V., Thomas Oeben, spricht Frau Stamm darüber, dass pflegende Angehörige allgemein, aber vor allem auch in der Corona Krise, dringend entlastet werden müssen.

Hier der Link zur Liveschaltung:
https://www.youtube.com/channel/UC4FAgyjnUzZWeKCm-2C2TYQ

Der Presseclub München schreibt zum Thema:  Weiterlesen

Angehörige von Menschen mit Behinderung sind verunsichert

Interview mit Margret Meyer-Brauns von der Angehörigenberatung der Lebenshilfe München

Viele Angehörige von Menschen mit Behinderung sind verunsichert –
Sie sind zukünftig von neuen Gesetzgebungen betroffen

(gsp) In der Presse lesen wir immer wieder über das neue Bundesteilhabegesetz, und auch das seit Januar 2017 geltende Pflegestärkungsgesetz II ist immer wieder Thema. Es war ein langer Weg der großen Koalition, der Kassen und der Sozialverbände, im Schaffen von rechtlichen Grundlagen für betroffene Menschen, für Menschen mit einem Anspruch auf Hilfe und Leistungen. Auch die Dachorganisationen der Lebenshilfe haben sich in diesem Prozess über Jahre engagiert, bis heute. Die neuen Gesetze sollen zur Stärkung der Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen beitragen.

Speziell in München bietet die Lebenshilfe eine wöchentliche Beratung für Betroffene, für ihre Angehörigen oder ihren rechtlichen Betreuer und das seit 45 Jahren. Einmal im Jahr organisiert die Beratung der Lebenshilfe München ein Tagesseminar zum Sozialrecht mit Jürgen Greß. Das Seminar des erfahrenen Fachanwalts für Sozialrecht ist immer ausgebucht.

Margret Meyer-Brauns von der Angehörigenberatung der Lebenshilfe München / Foto: gsp

Die umfassende und kompakte Information zu den von der Gesetzgebung berührten Lebensbereichen nutzen immer viele Teilnehmer um sich fortzubilden. Darunter auch immer wieder Interessierte aus anderen Organisationen der Behindertenhilfe, wie auch Behörden, die mit der speziellen Thematik tagtäglich betraut sind.   Weiterlesen