Die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen fördern

Sonderpädagogin Sabine Janowitz gibt Einblick in den Schulalltag
Die Medienpädagogik als neue Möglichkeit begreifen lernen

Die „Silvia-Görres-Schule“ der Lebenshilfe im Norden von München an der Neuherbergstraße macht in ihrem Zusatz bereits deutlich, was ihr Anliegen ist. Sie ist ein „privates Förderzentrum mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung“. Die Entwicklung der Kinder wird bereits früh in der SVE (Schulvorbereitende Einrichtung) voran gebracht. „In der Vorbereitung auf die Schule lernen die Kinder ganz einfache Dinge wie etwa für eine gewisse Zeit ‚ruhig im Kreis zu sitzen‘, sich dabei zu konzentrieren, über den Tag, das Wetter oder sich auch über den Tagesablauf auszutauschen“, informiert die Schulleiterin Sabine Janowitz.

Sabine Janowitz

Mit auf dem Plan der Vorschule stehen ebenso Naturerfahrungen, wobei die nahe Panzerwiese und der schuleigene Spielplatz gute Voraussetzungen bieten. „Es kann auch noch einen Schritt weiter gehen, etwa mit einem Schulgarten und der Anpflanzung von Kräutern, Tees sowie Gemüse. Die Kinder sollen verstehen, dass etwa eine Tomate nicht in der Dose wächst oder heranreift.“

Dabei überschneiden sich die Grenzen zwischen SVE und der Schule mit Unterricht von der ersten bis zur neunten Klasse, denn viele Kinder sind schwer und mehrfach behindert. Teilweise können sie nicht sprechen und begreifen nur langsam. „Basales Lernen“ ist darum ein Schwerpunkt und dabei geht es um das Zusammenwirken aller Sinne, in Fachkreisen auch „Sensorische Integration“ genannt. Im Lexikon heißt es dazu: „Wenn alle Sinne effektiv zusammenarbeiten, kann ein Kind sich auf die Anforderungen der Schule konzentrieren, Inhalte aufnehmen und verarbeiten.“

Sinne ansprechen – Kulturtechniken fördern

Bei diesen Kindern der Silvia-Görres Schule der Lebenshilfe München soll über das Ansprechen der Sinne das Verständnis für alles geschult werden, was um die Person herum passiert. Etwa wenn zuhause gekocht wird, können Kinder oder Jugendliche mit einbezogen werden, indem sie riechen, fühlen, schmecken, ohne dass sie dabei selbst kochen müssen. In der neuen Grundschulstufe aber werden insbesondere die Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen angebahnt, ein Förderschwerpunkt der geistigen Entwicklung.

Zudem gibt es einen ganz neuen Bereich, der vor allem durch die Einschränkungen der Corona-Pandemie stark an Bedeutung gewonnen hat. Es ist der Bereich „Medienpädagogik“ und Sabine Janowitz setzt sich intensiv dafür ein. „Filme und Serien schauen, streamen und online sein, sich mit Spielen die Zeit vertreiben, das ist auch bei Kindern und Jugendlichen mit geistiger Behinderung längst ein Thema und muss unbedingt pädagogisch begleitet werden. Aber auch im Schulbereich wird es eingesetzt, von Lernspielen am iPad über kreatives Arbeiten, wie kleinen ’stop motion filmen‘ bis hin zum Arbeiten mit Symbolen bei Sprachausgabegeräten. und dem iPad als Medium zur unterstützten Kommunikation. Ihr kommt bei Menschen mit Behinderung häufig eine besondere Bedeutung zu.“

Medienpädagogik als große Aufgabe für alle

Dabei sind Lehrkräfte, Pädagogen und Eltern ebenso gefragt und aufgefordert sich weiterzubilden. „Es ist einfach ein großes Thema und die Zukunft. Es ermöglicht gute Hilfen für den Alltag und Eltern sollten dabei auch unterstützend mitwirken“, wünscht sich die Sonderpädagogin. Sie könnte sich vorstellen, dazu gemeinsame Workshops anzubieten, etwa im Rahmen eines Elternabends.

Mehr an Gewicht gewinnt die Medienpädagogik ebenso durch die Umstellung der Lernpläne, online lernen zuhause. „Das wird sich in Sonder- und Förderschulen zwar nur eingeschränkt umsetzen lassen können, denn die persönliche Nähe und Betreuung ist für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen mit geistiger Behinderung unerlässlich. Ganz aber wird diese Entwicklung an uns nicht vorbeigehen. Wir müssen uns, die Eltern und vor allem die Kinder, darauf so weit es geht vorbereiten“, bekräftigt Sabine Janowitz.

Mittelfristig wird sich die Silvia-Görres-Schule verstärkt auf die 1. bis 4. Klassen ausrichten, was dem begrenzten Platzangebot geschuldet ist. Mehr dazu lesen Sie in einem der nächsten Beiträge hier im Blog der Lebenshilfe München.



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