Ein Bechstein-Flügel für die Lebenshilfe München

Bereits der Prägedruck des Flügels verrät aus welcher Zeit er stammt: „Pianoforte-Fabrik von C. Bechstein. Hoflieferant seiner Majestät des Kaisers und Königs, seiner königlichen Hoheit des Prinzen Friedrich Carl von Preußen.“

Die Lebenshilfe München erhielt eine außergewöhnliche Spende, einen 140 Jahre alten Bechstein-Konzertflügel. Wie kam es zu so einer Spende, fragte man sich in der Redaktion und hat bei der Spenderin, Camilla Attenberger-Fino nachgefragt. „Der Flügel stammt von meiner Großmutter Carola Edle Fallot von Gemeiner“, erzählt sie. Sie war in Kirchheim bei München eine bekannte Klavierlehrerin und selbst erinnere ich mich noch an meine Kindheit, als sie bei besonderen Anlässen vorspielte.

Ihr Leben lang unterrichtete sie an der Musikschule, in der VHS oder begleitete selbst ein Kindertheater“, erinnert sich Camilla Attenberger-Fino. Bei ihr steht nun eine räumliche Änderung an und sie findet für den Flügel nicht mehr den richtigen Platz. „So haben wir in der Familie überlegt, was wir mit diesem Erbstück anfangen sollen. Dabei wurde uns klar, dass es Oma gefallen hätte, ihr Instrument aus dem Wohnzimmer wieder mitten in das Leben zu stellen. Es soll möglichst vielen Menschen eine Freude bereiten.“ 

Mit Abstand und in kleinen Gruppen wird der Bechstein-Flügel bespielt.

Bei der Lebenshilfe München wird er die nächsten Jahrzehnte Menschen mit geistiger Behinderung ein schönes Stück Lebensfreude schenken. Musik ist nicht nur international und fesselt Menschen über Generationen hinweg, Musik spricht auf einer tiefen Ebene unsere Gefühle und Emotionen an und kann Freude und eine positive Lebensstimmung schenken. Nun verfügt die Lebenshilfe München zwar über keinen eigenen Konzertsaal, aber einen großen Gemeinschaftssaal in der Wohneinrichtung Putzbrunn. Dort hat der 140 Jahre alte Bechstein-Konzertflügel nun eine neue Heimat gefunden. Auf seine ersten Konzerte wird er bedingt durch die Corona-Beschränkungen zwar noch warten müssen, doch im kleinen Rahmen wird er wieder zu hören sein.

Der 140 Jahre alte Bechstein-Konzertflügel erhält einen Ehrenplatz

Peter Puhlmann, Vorstand und Geschäftsführer der Lebenshilfe München: „Der Flügel erhält im Foyer unserer neuen Einrichtung Putzbrunn III einen Ehrenplatz. Es freut und ehrt uns, dass die Familie Attenberger-Fino an die Lebenshilfe gedacht hat.“ Lebenshilfe-Einrichtungsleiterin in Putzbrunn, Renate Bauer weiß, dass Musik bei ihren Bewohnern immer gut ankommt und die Stimmung hebt. 14tägig ist mit Stefan Bartmann darum ein eigener Musikpädagoge verpflichtet, der jetzt auch mit dem neuen Flügel arbeitet und bereits 20 Bewohner für das Instrument begeistern konnte. Sie würden am liebsten gleich Musikunterricht nehmen, um selbst einige Akkorde spielen zu können.

Sich von der Musik bewegen lassen

Peter Puhlmann freut sich über den schönen Bechsteinflügel, der eine lange Geschichte hinter sich hat und jetzt bei der Lebenshilfe München ein neues Zuhause fand.

Stefan Bartmann wundert es nicht, dass der Funke so schnell überspringt. „Menschen mit motorischer Beeinträchtigung kommen bei Musik ‚in Schwingung‘, bewegen sich ‚im Flow‘, sind ergriffen von der Musik. Sie dockt direkt an unseren Emotionen an, vermittelt das Gefühl dabei und verstanden zu sein. Musik weckt Assoziationen und Erinnerungen in uns, manchmal fließen dabei sogar ein paar Tränen.“

Stefan Bartmann spielte 20 Jahre in einem großen Orchester, unterrichtet Musik und arbeitet seit drei Jahren als Musiktherapeut. Er selbst fühlt sich von der Arbeit in Putzbrunn beschenkt. „Die hier lebenden Bewohner sind freundlich und offen, leben weitgehend selbständig, und in der Gruppe entsteht eine Dynamik, ein gemeinsames Wir-Gefühl.“ Musik inspiriert und für Menschen mit Behinderung sind es besondere Erlebnisse ‚hautnah‘ mit der Musik in Berührung zu kommen.

Eine Wohnanlage mit großer Gartenanlage

Das Wohnhaus der Wohngruppen in Putzbrunn I verfügt über eine großzügige Gartenanlage und befindet sich in der Gemeinde Putzbrunn, Ortsteil Waldkolonie, im Landkreis München. Das Wohnheim wurde 1994 eröffnet. Hier wohnen Erwachsene Frauen und Männer mit vorrangig geistiger Behinderung aller Altersstufen in vier Wohngruppen mit insgesamt 31 Wohnplätzen. Pro Gruppe stehen drei Bäder mit WC, Waschbecken und Dusche zur Verfügung, zusätzlich gibt es ein barrierefreies Bad. Jede Wohngruppe verfügt über einen Aufenthaltsraum mit integrierter Wohnküche. Im Obergeschoß gibt es mehrere Gemeinschafts-Balkone, im Erdgeschoß pro Bewohner-Zimmer eine Terrasse. Darüber hinaus hat jede Wohngruppe eine Gemeinschaftsterrasse. Für gemeinsame Zusammenkünfte steht ein Veranstaltungsraum zur Verfügung. Der Mehrzweckraum wird für Besprechungen und Freizeitangebote verwendet. Der Erlebnisgarten mit Schaukeln, Klangobjekten, Tastkästen, Wahrnehmungspfad, Grillplatz, Bänken und Pavillon können von allen genutzt werden. Die Einrichtung ist für Rollstuhlfahrer geeignet.

Die nähere Umgebung der Lebenshilfe-Wohneinrichtung

Zu den großen Vorteilen der Lebenshilfe-Wohneinrichtung zählt die direkte Nähe zur angrenzenden Lebenshilfe-Werkstatt Putzbrunn und zur Förderstätte. Eine Bushaltestelle ist in nur drei Minuten fußläufig zu erreichen und fährt direkt zur etwa zwei Kilometer entfernten S-Bahnhof mit Direktverbindung nach München. In räumlicher Nähe zur Einrichtung finden sich Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants und Ärzte.

Fast ihr ganzes Leben lang war der Bechstein-Flügel im Besitz von Carola Edle Fallot von Gemeiner. „Sie war in Kirchheim bei München eine bekannte Klavierlehrerin und sie unterrichtete ihr Leben lang an der Musikschule, in der VHS oder begleitete selbst ein Kindertheater“, erinnert sich ihr Enkelin Camilla Attenberger-Fino.

Ein Kommentar zu “Ein Bechstein-Flügel für die Lebenshilfe München

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